AKTUELL 22/19

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Neben der Vorstellung der Projektergebnisse fand am ersten Veranstaltungstag eine Besichtigung der technischen Anlagen des  Versorgungsunternehmens inetz GmbH sowie der Forschungsmessstrecke in der Georgstraße in Chemnitz statt. Herr Frey, Geschäftsführer der inetz GmbH, begrüßte die Teilnehmenden am Standort und ging dabei auf die lokalen Maßnahmen zur Umsetzung der Energie- und Wärmewende ein (siehe Abb. 1). Über bereits umgesetzte Projekte am Standort Georgstraße wie bspw.:

  • das Niedertemperaturwärmenetz „Am Brühl“ dessen Wärmebedarf weitestgehend durch den Ertrag der Solarthermie-Anlage gedeckt wird;
  • den Einsatz atmosphärischer und druckbehafteter Wärmespeicher;
  • oder Kälteerzeugung und Einsatz von Kältespeichern

informierte Herr Göschel (inetz GmbH) während der Besichtigung. Zeitgleich wurde die Forschungsmessstrecke (an der für die letzten Betriebsphasen die Dehnpolster an zwei Teilstrecken entfernt wurden und entsprechend die beiden 90°-Bögen freigelegt waren) auf 90°C Betriebstemperatur angefahren.

Abbildung 2: Demonstrationen während der Besichtigung am freigelegten Bogen der Teilstrecke 3 (Quelle: AGFW)

Abbildung 2 zeigt die Teilnehmenden während der Besichtigung am freigelegten Bogen der Teilstrecke 3. Die Ausbildung der Verschiebungen in Folge der Anhebung der Betriebstemperatur um ΔT = 70 K konnte in der Visualisierung der Messergebnisse am Monitor bzw. im freigelegten Bereich anhand einer gespannten Schnur beobachtet werden. Durch das Anfahren wurden die Bestandteile der Forschungsmessstrecke, die Regelung der Betriebstemperatur und die verwendete Messtechnik von den Forschungspartnern anschaulich erklärt. Darüber hinaus wurden Schaumproben des PURs entnommen, um dessen Zustand nach bisher erreichten 150 äquivalenten Temperaturvolllastwechseln zu bestimmen. Hierbei kam zum ersten Mal in Deutschland die von den schwedischen Forschern am Research Institut Sweden (RISE) entwickelte „SP Plug Method“ zum Einsatz. Durch die Entnahme einer zylindrischen Probe des PUR-Hartschaumstoffs (Durchmesser ca. 5 cm) wird mittels der SP Plug Method die Scherfestigkeit des Verbundes bestimmt. Grundlage zur Bestimmung der Scherfestigkeit bildet das zum Ablösen der Probe vom Stahlmediumrohr aufgebrachte Torsionsmoment. Anschließend wird an der Entnahmestelle ein vorgefertigter PUR-Ersatzzylinder eingesetzt und die PE-Ummantelung mittels eines Stopfens wieder verschlossen. Abbildung 3 zeigt die Entnahmestelle an einer der freigelegten Teilstrecken, an der insgesamt vier Proben entnommen wurden.

Abbildung 3: Entnahme von PUR-Probekörpern mittels „SP Plug Method“, li.: Zwei bereits versiegelte Entnahmestellen, re.: Zwei Entnahmestellen direkt nach der Prüfung (Quelle: AGFW)

Wegen der minimalen Schädigung des getesteten Rohres ist die „SP Plug Method“ ein vielversprechender Ansatz für die Qualitätssicherung in der Bauphase und die Zustandsprüfung der KMR-Leitungen im Betrieb. Durch die Weiterentwicklung des - während der Besichtigung demonstrierten - Prototyps streben die schwedischen Forscher ein baustellengeeignetes Prüfverfahren an. In der weiteren Auswertung werden die Prüfergebnisse der „SP Plug Method“ mit den Ergebnissen der Laboruntersuchungen der Forschungspartner an entnommenen Halbschalen des PUR verglichen. Es bleibt abzuwarten, in wieweit die unterschiedlichen Prüfungen zu übereinstimmenden Ergebnissen führen.

Der Bereich Forschung und Entwicklung Ihres AGFW wird die entstandenen Synergien mit den schwedischen Kollegen nutzen und Sie über die Ergebnisse der vergleichenden Tests sowie die Weiterentwicklung der Methode informieren.

Am zweiten Tag wurde die Präsentation der Projektergebnisse am Leibniz-Institut für Polymerforschung e. V. in Dresden fortgesetzt. Die Veranstaltung mündete nach einem Impulsvortrag des IER Stuttgart zu den aktuellen Entwicklungen und Prognosen des zukünftigen Wärmemarktes (siehe Vortragsunterlagen) in einer Abschlussdiskussion, an der Herr Büchau (Vattenfall Wärme Berlin AG) als Vorsitzender des Expertenkreises „Forschung & Entwicklung“, Herr Eibisch (Netz Leipzig GmbH) stellvertretend für den PK „Technische Gebrauchsdaueranalyse“, Herr Besier (AGFW e. V.) als Mitglied europäischer Normungsgremien des Technical Comitees (TC 107) und Vorsitzender der Working Group 5 und Herr Wendel vom Forschungspartner IER Stuttgart teilnahmen (siehe Abb. 4).

Aufbauend auf den Einschätzungen der Teilnehmer der Podiumsdiskussion entwickelte sich schnell eine lebendige Debatte, in der auch das Auditorium persönliche Erfahrungen zur technischen Gebrauchsdauer von Wärmenetzen und den aktuellen Herausforderungen bei der Gestaltung der Wärmewende einbringen konnte. Konsens wurde in der abschließenden Diskussion darüber erzielt, dass die Forschungsergebnisse zur Verbesserung der Gebrauchsdauerabschätzung beitragen und neben dem Abschlussbericht4 in deutscher Sprache auch englische Publikationen für die europäischen Normungsgremien zu erarbeiten sind. Darüber hinaus sprachen sich die Teilnehmenden für weitere Forschungsaktivitäten zur statistischen Absicherung der entwickelten Verfahren sowie der Entwicklung baustellengeeigneter Prüfverfahren aus. Neben der Prüfung der Verbundeigenschaften wurde darauf hingewiesen, dass weiterhin ein Verfahren zur Prüfung der Qualität der Mantelrohrverbindung in der Bauphase wünschenswert ist. Ihr AGFW wird die Diskussion in den relevanten Verbandsgremien fortsetzen und weiter vertiefen. Zudem wird er sich mit der Unterstützung der Forschungspartner dafür einsetzen, dass die Forschungsergebnisse in nationalen sowie europäischen Normungsgremien eingebracht werden, um somit das bestehende Wissen sowie die Prognose der Gebrauchsdauerabschätzung erdverlegter KMR-Leitungen zu erweitern.

Abbildung 4: Teilnehmer der Abschlussdiskussion (v. l.) Frank Wendel, Rolf Besier, Andreas Büchau und Florian Eibisch (Quelle: AGFW)

Der AGFW bedankt sich bei den Forschungspartnern für die gute Darstellung der Forschungsergebnisse sowie bei den Teilnehmenden für das Interesse und die konstruktiven Diskussionen während des Projektabschlusstreffens. Außerdem gilt ein großer Dank dem Fördermittelgeber BMWi und dem Projektträger Jülich für die finanzielle Unterstützung des Forschungsvorhabens.

1 In der Ausgabe 15/2019 des AGFW aktuell hatte Ihr AGFW Ihnen angeboten, sich aus erster Hand über die Forschungsergebnisse durch die Teilnahme am Projektabschlusstreffen zu informieren.
2 Gefördert durch das BMWi aufgrund eines Beschlusses des deutschen Bundestages.
3 Neben den Mitgliedern des projektbegleitenden Arbeitskreises PK „Technische Gebrauchsdaueranalyse“ und weiteren AGFW-Mitgliedsunternehmen nahmen auch schwedische Forscher am Projekttreffen teil.
4 Geplante Publikation in der AGFW Heftreihe „Forschung und Entwicklung“ im Januar 2020.

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