Stadtumbau und Energieeffizienz

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Stadtumbau und Energieeffizienz

Untersuchung der Auswirkungen soziodemografischer Veränderungen auf den Energieverbrauch als Grundlage für die langfristige Planung von Energieversorgungssystemen im Rahmen der Vorbereitung von städtebaulichen Erneuerungsmaßnahmen in Sachsen

 

Auftraggeber:

Sächsisches Ministerium des Innern (SMI)

Projektpartner:

  • AGFW (Koordiniation)
  • eins energie in sachsen GmbH & Co. KG, Chemnitz
  • Stadtwerke Leipzig GmbH
  • Technische Werke Delitzsch
  • Prognos AG
  • Fichtner IT Consulting
  • Städte Chemnitz, Leipzig, Delitzsch bzw. weitere beteiligte städtische Gesellschaften (Wohnungsbau)

Erwartete Ergebnisse:

  • Systematische Auswertung von Energieverbrauchsdaten und demografischen Informationen
  • Darstellung des Zusammenhangs von Alterung und Energiebedarf
  • Zuordnung von Daten für die quartiersweise Planung
  • „Faustformeln“ für den Einfluss der Demografie auf die Infrastrukturplanung
  • Verbesserung der langfristigen Planungsgrundlagen
  • Aktualisierung des EVK unter Berücksichtigung der Altersdemografie
  • Schwachstellenanalyse / Kippfunktion der Energiesysteme
  • Prozessanalyse im Zusammenspiel zur Ermittlung der Auswirkungen der Altersdemografie
  • Checkliste und Handlungsempfehlung für Kommunen und EVUs

 

Erfolgreicher Abschluss und Projektergebnisse

Die Bevölkerung in Deutschland schrumpft, der Altersdurchschnitt steigt und die Haushalte werden kleiner. Wie wirkt sich dies auf die Lebensgewohnheiten aus? Wie verändert sich das Verbrauchsverhalten im Energie- und Wasserbereich? Verbraucht ein 40-jähriger genauso viel Wärme wie ein 70-jähriger? Bleibt das zeitliche Verbrauchsverhalten im Tageszyklus gleich? Welche Betrachtungsebenen und wissenschaftliche Vorgehensweise zur korrekten Parameterentwicklung sind dabei zu berücksichtigen?

Der Demografische Wandel ist ein Thema das in den letzten Jahren verstärkt in das politische und öffentliche Bewusstsein gerückt ist. Mit dem Stadtumbau Ost und den massiven Veränderungen im Wohnungsmarkt wurden auch die Auswirkungen  für die Ver- und Entsorgungswirtschaft dramatisch deutlich. Demografische Einflussfaktoren müssen nun intensiv untersucht und in die Planungen der  Energieversorgungskonzepte integriert werden. So können frühzeitig Rückschlüsse auf die Auswirkungen der betroffenen technischen Infrastruktursysteme gezogen werden und notwendige Anpassungsstrategien in die Umsetzung gelangen.

Die Zusammenhänge zwischen einer veränderten altersstrukturellen Zusammensetzung der Bevölkerung und möglichen Auswirkungen auf den Energieverbrauch wurden vom AGFW und seinen Projektpartnern seit 2010 im Rahmen des vom Sächsischen Staatsministerium des Innern (SMI) in Auftrag gegebenen Projekts „Stadtumbau und Energieeffizienz – Untersuchung der Auswirkungen soziodemografischer Veränderungen auf den Energieverbrauch als Gundlage für die langfristige Planung von Energiever-sorgungssystemen im Rahmen der Erstellung von Stadtentwicklungskonzepten in Sachsen“ analysiert.

Projektpartner des AGFW waren Prognos AG, Fichtner IT Consulting, eins energie in sachsen GmbH & Co. KG, Stadtwerke Leipzig GmbH, Technische Werke Delitzsch GmbH, die Städte Chemnitz, Delitzsch und Leipzig sowie Wohnungsbauunternehmen in den drei Städten.

Das Projekt hatte zum Ziel, den möglichen Zusammenhang zwischen der Altersstruktur privater Haushalte und ihrem Verbrauch an leitungsgebundenen Energieträgern und Trinkwasser mit einem neuen methodischen Ansatz und einer großen Stichprobe für Sachsen empirisch zu untersuchen.

Aufbauend auf die empirische Analyse wurde anhand von Bevölkerungs- und Altersstrukturprognosen aus der Stadtentwicklungsplanung der künftige und kleinräumige Einfluss des demografischen Wandels auf den Energie- und Wasserverbrauch ermittelt. Auf Basis der Ergebnisse aus Analyse und Prognose wurden die Auswirkungen der Veränderungen des Energiebedarfs auf die Infrastruktur untersucht und daraus technisch-wirtschaftliche Parameter sowie Handlungsempfehlungen abgeleitet.

Die Ergebnisse der empirischen Analyse zeigen, dass der Energie- und Wasserverbrauch einzelner Haushalte von einer Reihe unterschiedlicher Faktoren beeinflusst wird, von denen nur einige im Rahmen der Studie erhoben wurden. Im Mittelpunkt der Analyse stand die Altersstruktur von privaten Haushalten in Mehrfamilienhäusern. Im Rahmen der Studie konnten die folgenden Ergebnisse für den Alterseffekt in standardisierten Einpersonen-Haushalten ermittelt werden.

Mit zunehmendem Alter von Menschen in Einpersonen-Haushalten:

  • erhöht sich der Wärmeverbrauch (Pro zusätzlichem Lebensjahr nimmt der absolute Endenergie-Wärmeverbrauch durchschnittlich um rund 10 kWh/Jahr zu),

  • verringert sich der Stromverbrauch (Pro zusätzlichem Lebensjahr reduziert sich der absolute Endenergie-Stromverbrauch durchschnittlich um rund 2,7 kWh/Jahr),

  • verringert sich der Wasserverbrauch (Pro zusätzlichem Lebensjahr reduziert sich der absolute Wasserverbrauch durchschnittlich um rund 0,09 m³/Jahr).

Auf Grundlage der in der Analyse ermittelten Alterseffekte wurde im Rahmen der Studie der künftige Energieverbrauch der privaten Haushalte in den drei beteiligten Städten und in Sachsen bis zum Jahr 2030 prognostiziert. Insgesamt zeigte sich, dass der Alterseffekt in vielen Konstellationen erheblich geringere Auswirkungen hat als die zahlenmäßige Bevölkerungsentwicklung oder die Entwicklung der Energieeffizienz. Er liegt in vielen Fällen für 2030 in einer Größenordnung von 1 %, bezogen auf den Verbrauch im Jahr 2011. Haupteinflussgrößen auf den künftigen Energiebedarf sind die Bevölkerungsentwicklung sowie der Einfluss von Technologieentwicklung und Effizienzverbesserung. Somit stellen sich die Auswirkungen auf den Energiebedarf, die aus der Alterung der Gesellschaft resultieren, als vergleichsweise gering dar. Für Langfristplanungen sind die dadurch bedingten Mehrverbräuche im Jahr 2030 nicht relevant.

Grundsätzlich sollten aufgrund der ermittelten geringen Auswirkungen des Alterseffekts auf den Energiebedarf, vorrangig Bevölkerungsprognosen für die Planung weiterer Infrastrukturmaßnahmen herangezogen werden. Trotzdem ist es sowohl für kommunale Verwaltungen als auch für Versorgungsunternehmen von großer Bedeutung, ihre Entscheidungen für Infrastrukturvorhaben oder die Entwicklung von Neubaugebieten vor dem Hintergrund der demografischen Veränderungen genau zu überprüfen. Besonders auf Quartiersebene können sich die altersdemografischen Effekte verstärken, wenn in Quartieren eine homogene Bevölkerungsgruppe vorherrscht. In diesem Fall kann sich durch einen Generationenwechsel in wenigen Jahren die Zusammensetzung und damit auch der Wärme- und Stromverbrauch des Quartiers erheblich ändern.

Die Studie „Stadtumbau und Energieeffizienz“

  • untersuchte erstmalig Altersdemografie und Energieverbrauch,

  • beschreibt erstmalig die Systematik zur Datenerhebung rechtssicher,

  • gibt Antworten mit Kennzahlen für die Energieversorgungskonzepte, die IEKK und InSEKs,

  • zeigt Lösungsansätze für die Kommunen auf,

  • gibt Antwort auf die Auswirkung der alternden Gesellschaft auf den Energieverbrauch,

  • zeigt die Auswirkungen auf die technische Infrastruktur auf,

  • gibt weitere Handlungsempfehlungen und einen Ausblick.

Sie schafft damit erste wissenschaftliche Klarheit zum Themenfeld demografischer Wandel, Energiewende und nachhaltige Stadtentwicklung in der alternden Gesellschaft.

An dieser Stelle möchten wir uns bei allen beteiligten Partnern für die erfolgreiche Zusammenarbeit bedanken. Besonderer Dank gilt dem Sächsischen Staatsministerium des Innern, für die Weitsicht und Bereitschaft, die diese Studie erst möglich machten.

Die Studie wurde Anfang 2015 vom AGFW veröffentlicht und kann im AGFW-Webshop käuflich erworben werden.

 

Mitgliedern des AGFW steht die Studie zum Download zur Verfügung. Bitte loggen Sie sich dazu ein.

 

Downloads:

Projektbeschreibung

 

Ansprechpartner AGFW-Geschäftsstelle:

Dipl.-Ing. Sarah Vautz
Stadtentwicklung, Projekte
Tel. +49 69 6304-411
Fax +49 69 6304-391
E-Mail: s.vautz[at]agfw.de

Andrea Scheffler
Stadtentwicklung, Projekte, Mitgliederakquise
Tel. +49 69 6304-413
Fax +49 69 6304-391
E-Mail: a.scheffler[at]agfw.de

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