Energieversorgungskonzepte

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Energieversorgungskonzepte

Die Begriffe Energieversorgungskonzept bzw. Kommunales Energiekonzept haben bislang noch keine allgemein gültige Definition und Abgrenzung erfahren. In der Praxis werden die Begriffe für zwei unterschiedliche Konzeptvarianten benutzt. 

Das Energieversorgungskonzept (EVK) wird in der Regel von den Energieversorgungsunternehmen erstellt und soll ein sinnvolles Zusammenwirken der Entwicklung der Energieträger im betrachteten Gebiet unter Berücksichtigung des unternehmerischen Versorgungsauftrages herstellen. Bei der Erarbeitung wird primär ein systemisch-technischer Ansatz verfolgt. EVK können auf unterschiedlichen räumlichen Ebenen z. B. örtlich oder regional ansetzen. Bei der Systembetrachtung bedarf insbesondere die Sicherung und der Ausbau der leitungsgebundenen Energieträger (Strom, Gas, Nah-/Fernwärme) und die Berücksichtigung von erneuerbaren Energien, industrieller Abwärme, KWK-Systemen und der Kälteversorgung einer Abstimmung. 

Bei der Entwicklung der Konzepte sind eine Vielzahl von Zielen zu beachten. Dies sind unter anderem:
•     Langfristige Sicherheit der Versorgung
•     Wirtschaftlichkeit und Preiswürdigkeit
•     Umweltschutz
•     Erhalt der freien Energiewahl der Verbraucher
•     Festlegung und Umsetzung der unternehmerischen Strategien und Ziele
•     Bewertung von Versorgungsalternativen
•     Förderung und Unterstützung der kommunalen Entwicklungsplanung.

Die Umsetzung der Ziele ist von Zielkonflikten begleitet. Zum Beispiel können Wirtschaftlichkeit und Preiswürdigkeit gegensätzlich sein. Auch kann der Grundsatz der freien Energiewahl für den Verbraucher den Gemeinwohlinteressen (z. B. Kommunen mit Kurstatus) entgegenstehen. Hier gilt es zwischen den Entscheidungsträgern (Versorgungsunternehmen und deren Eigentümer) und den Adressaten (Kunden, Bürger, Kommune, ...) Konsens herzustellen. 

Welche Ziele letztendlich zur Umsetzung gelangen, hängt im Wesentlichen von den durch Unternehmen und Unternehmenseigner gesetzten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab. Die Aussagen des EVK werden dementsprechend von der unternehmerischen Strategie bestimmt und betrachten Entwicklungsprozesse nur bedingt gesamtheitlich und objektiv. 

Energieversorgungskonzepte sind in der Regel für einen Betrachtungszeitraum von mehr als 15 Jahren ausgelegt. Sie haben strategischen Charakter für die Unternehmenspolitik und unterliegen deshalb einem internen Monitoring und Con-trolling. Enthalten sind beispielsweise Aussagen zu demografischen Verhältnissen, zur Beschaffungsstruktur der möglichen Primärenergieträger und zur generellen Wettbewerbssituation. Dabei finden Detailbetrachtungen in den Sektionen Haushalte, Gewerbe, Handel, Dienstleistung und Industrie statt. Letztendlich erfolgt eine grundlegende Betrachtung des Wärmemarktes und dessen zukünftiger Entwicklung. In den Konzepten werden neben einer Analyse des IST-Zustandes der Versorgungssituation Handlungsfelder für eine zukünftige Wärmeversorgung erarbeitet. Im Focus der Betrachtung liegen die leitungsgebundenen Versorgungssysteme Fernwärme und Erdgas. Ziel des Konzeptes ist es, die Auslastung und damit Wirtschaftlichkeit beider Systeme zu gewährleisten, volkswirtschaftlich unsinnige Doppelerschließungen zu reduzieren und die Wärmebereitstellung mit einer möglichst hohen Systemeffizienz und damit mit minimal notwengigen CO2- bzw. Schadgasemissionen abzusichern. Insbesondere seit der Liberalisierung der Strommärkte sind die betriebswirtschaftlichen Kenndaten der Stromerzeugung/-verkauf und -versorgung im Mittelpunkt der wirtschaftlichen Interessen. Insbesondere im Prozess der Kraft-Wärme-Kopplung erfährt dieser Zusammenhang eine wesentliche Bedeutung.

EVK waren seit jeher Bestandteil des unternehmerischen Handels in der Energieversorgung. Die Kriterien, unter denen Energieversorgung gewährleistet wird, orientieren sich seitdem an politischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen. Stand vor dem zweiten Weltkrieg der Aufbau der leitungsgebundenen Infrastruktursysteme im Vordergrund, so war nach diesem Zeitpunkt zu Beginn die wirtschaftliche kostengünstige Versorgung für den Wiederaufbau Deutschlands das Ziel des Handelns. Die Energiekrisen verdeutlichten die Abhängigkeit von externen Ressourcen. Versorgungssicherheit stand im Mittelpunkt der Konzepte. Mit der Liberalisierung der Strommärkte war die unternehmerische Wirtschaftlichkeit Massstab für ein erfolgreiches agieren. Als zentrale Herausforderungen der kommenden Jahre stehen der Stadtentwicklungsprozess mit den Themen demografischer Wandel, Steigerung der Energieeffizienz, CO2-Reduktion und die angespannte finanzielle Situation der kommunalen Haushalte im Mittelpunkt des Handels von Städten und Kommunen. Ein weiterer Schwerpunkt wird die Rekommunalisierung der im Liberalisierungsprozess veräußerten kommunalen Versorgungsunternehmen. Stadteigene Energiekonzepte werden dafür erarbeitet.

Vom Energieversorgungskonzept ist das kommunale Energiekonzept begrifflich zu unterscheiden. Kommunale Energiekonzepte werden von der kommunalen Verwaltung erarbeitet. Der Schwerpunkt eines kommunal erstellten Konzeptes liegt vorrangig auf der anbieterunabhängigen Strukturierung der Energie- insbesondere der Wärmeversorgung auf kommunalem Gebiet. Es soll der Ordnung und Stabilisierung des lokalen Marktes dienen und insbesondere die damit verbundenen Effekte volkswirtschaftlich und umweltpolitisch positiv beeinflussen. Inhaltlich wird das kommunale Energiekonzept stark von stadtplanerischen Rahmenbedingungen geprägt, aber auch Image und parteipolitische Grundzüge bestimmen die Inhalte. 

Energiekonzepte erhalten durch Beschluss der Kommunalpolitik wegweisenden Charakter für kommunale Entwicklungsmaßnahmen. Unabhängig davon sind die Konzepte für die kommunalen Handlungsträger im baurechtlichen Sinn nicht bindend. 

Beispiel für ein Energiekonzept:
www.swro.de/Energiekonzept-2020-SWRO

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