Gebäudeenergiegesetz

Energiewirtschaft, Recht & Politik / Energiewende & Politik / Wärmewende & Klimaschutz / Gebäudeenergiegesetz

Gebäudeenergiegesetz

Aktuelles Gebäudeenergiegesetz

Am 18.06.2020 hat der Bundestag das Gebäudeenergiegesetz in zweiter und dritter Lesung beraten und beschlossen. Gegenüber dem von der Bundesregierung eingebrachten Gesetzentwurf gab es u. a. folgende Änderungen:

  • Neu hinzugekommen ist eine Verordnungsermächtigung zur Versorgung mit Fernkälte.
  • Bei den Primärenergiefaktoren für gasförmige Biomasse (Biomethan und biogenes Flüssiggas) wurden die Werte für den nicht erneuerbaren Anteil bei Nutzung in einer hocheffizienten KWK-Anlage von 0,6 auf 0,5 gesenkt. In Brennwertkesseln gilt fortan der Wert 0,7. Die dazugehörigen Emissionsfaktoren in Anlage 9 wurden jedoch nicht angepasst.
  • Das Verbot für neue Ölheizungen wurde um ein Verbot für neue Heizkessel mit festem fossilen Brennstoff ergänzt.

Bundesregierung beschließt Gesetzentwurf

Am 23. Oktober 2019 hat die Bundesregierung den Gesetzentwurf zur Vereinheitlichung des Energieeinsparrechts für Gebäude beschlossen, der gegenüber dem Referentenentwurf von Ende Mai 2019 einige Änderungen beinhaltet. Der Gesetzentwurf wird voraussichtlich Anfang 2020 im Bundestag beraten und beschlossen werden.

Neuer Referentenentwurf mit Kompromiss beim Thema Primärenergiefaktoren

Mehr als zwei Jahre nach dem ersten Entwurf wurde Ende Mai 2019 ein neuer Referentenentwurf für das Gebäudeenergiegesetz vorgelegt, der sich gerade im Konsultationsprozess mit Verbänden und Stakeholdern befindet. Beim Thema Primärenergiefaktoren hat das Ministerium einen Kompromiss gefunden, bei dem Primärenergiefaktoren zunächst weiter nach der Stromgutschriftmethode berechnet werden und 2025 die Umstellung des Berechnungsverfahrens auf eine andere Methodik geprüft wird.

AGFW plädiert für eine Beibehaltung der Stromgutschriftmethode und gegen eine Einbeziehung von CO2-Emissionen im Gebäudeenergiegesetz

Der AGFW hat sich in einer Sitzung am 16. März 2018, unter Beteiligung von AGFW-Vorstand, Präsidium, Geschäftsführung und AGFW-Gremienvertretern (der Expertenkreise aus Politik, Technik, Vertrieb) für eine Beibehaltung der Stromgutschriftmethode entschieden. Diese Methode ist bewährt, einfach und setzt derzeit den stärksten Anreiz KWK auszubauen und erneuerbare Energien einzusetzen. Wenn bestehende "Nullwerte" gestrichen und mit einer festen primärenergetischen Gutschrift von 2,8 bis 2030 gerechnet wird, eignet sich diese Methode zudem auch für die Bilanzierung der Bestandsgebäude. Der feste Wert von 2,8 spiegelt dann sowohl den Verdrängungsmix Strom, wie auch die Bestandsgebäudeversorgung der Fernwärme wieder. 

Weitergehende Informationen:

Weitergehende Informationen zur energetischen Bewertung, zur EnEV und zum EEWärmeG finden Sie im Bereich Technik und Normung:


Der Erfahrungsbericht zum EEWärmeG bestätigt, dass sich die Anforderungen an die Nutzung der Fernwärme vom Grundsatz bewährt haben. Auch in der EnEV werden Fernwärmenetze über den Primärenergiefaktor bewertet und in die Berechnungen einbezogen. Allerdings führt das Nebeneinander von EnEV und EEWärmeG in anderen Anwendungsfällen, bzw. gerade auch bei Einzelheizungssystemen zu Umsetzungsproblemen.

Bei der Zusammenlegung ist zu berücksichtigen:

  • Wärmenetze ermöglichen die städtische Wärmewende
  • Insbesondere bei städtischen Bestandsgebäuden kann eine weitere CO2 Reduzierung gut mit „effizienter Fernwärme“ erreicht werden
  • „Quartiersdenken“(Bestand und Neubau) ist Fernwärme (District Heating)
  • Beibehaltung der bisherigen Hauptanforderungen 
    » maximaler nicht erneuerbaren Primärenergiebedarf 
    » Vorgaben zur Effizienz und Qualität der Gebäudehülle
  • Sachgerechte Bewertungsmethode für Kraft-Wärme-Kopplung
  • Fernwärme wie bisher als Erfüllungsoption bzw. Ersatzmaßnahme
  • Wettbewerbsverzerrungen durch die Festlegung von EE-Mindestanteilen vermeiden, die stets das gesamte Netz (Neubau und Bestand) treffen würden
  • Einsatz von Erneuerbaren Energien in der Fernwärme und den Ersatz alter, ineffizienter Heizkessel durch Fernwärme-Hausanschlüsse fördern

Seit dem 1. Mai 2014 gilt für Gebäude die Energieeinsparverordnung (EnEV 2014). Ab dem Jahr 2016 erhöht diese Verordnung den energetischen Standard für Neubauten, sowohl für Wohn- als auch für Nichtwohngebäude. Zur Berechnung des Jahres-Primärenergiebedarfes sind die Primärenergiefaktoren für den nicht erneuerbaren Anteil nach DIN V 18599-1 : 2011-12 zu verwenden. Der Jahres-Primärenergiebedarf für die aus einer KWK-Anlage ausgekoppelte Wärme wird durch Abzug einer Stromgutschrift von dem Primärenergieeinsatz der KWK-Anlage ermittelt. Der in Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung erzeugte Strom ist auch 2016 unverändert mit einem Primärenergiefaktor von 2,8 zu bewerten. Die Höhe des Primärenergiefaktors wird aus den Primärenergiefaktoren der durch KWK verdrängten Stromerzeugung ermittelt. Der AGFW hat 2015 beim Internationalen Institut für Nachhaltigkeitsanalysen und -strategien (IINAS) in Darmstadt eine Kurzstudie in Auftrag gegeben. IINAS hat zur Überprüfung des aktuellen Primärenergiefaktors den Grenzkraftwerkspark im Vergleich zur durchschnittlichen bundesdeutschen Stromerzeugung in 2014 sowie Szenarien für 2015 und 2020 abgebildet und damit nachgewiesen, dass der Primärenergiefaktor, des Grenzkraftwerksparks einschließlich Vorkette mit einem Wert von 2.96 sogar noch über dem derzeit in der EnEV zugrunde gelegten Wert von 2,80 liegt.