Effiziente Gebäudeversorgung

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Gebäudeenergiegesetz

AGFW plädiert für eine Beibehaltung der Stromgutschriftmethode und gegen eine Einbeziehung von CO2-Emissionen im Gebäudeenergiegesetz

Der AGFW hat sich in einer Sitzung am 16. März 2018, unter Beteiligung von AGFW-Vorstand, Präsidium, Geschäftsführung und AGFW-Gremienvertretern (der Expertenkreise aus Politik, Technik, Vertrieb) für eine Beibehaltung der Stromgutschriftmethode entschieden. Diese Methode ist bewährt, einfach und setzt derzeit den stärksten Anreiz KWK auszubauen und erneuerbare Energien einzusetzen. Wenn bestehende "Nullwerte" gestrichen und mit einer festen primärenergetischen Gutschrift von 2,8 bis 2030 gerechnet wird, eignet sich diese Methode zudem auch für die Bilanzierung der Bestandsgebäude. Der feste Wert von 2,8 spiegelt dann sowohl den Verdrängungsmix Strom, wie auch die Bestandsgebäudeversorgung der Fernwärme wieder. 

Weitergehende Informationen:

Weitergehende Informationen zur energetischen Bewertung, zur EnEV und zum EEWärmeG finden Sie im Bereich Technik und Normung:

Die von Boston Consulting und Prognos im Auftrag des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) vorgelegte Studie „Klimapfade für Deutschland“ trifft Aussagen über das volkswirtschaftlich sinnvolle Weiterverfolgen der Klimaziele. Dabei kommt die Studie zu dem Schluss, dass eine CO2-Minderung um 80 % bis 2050 (gegenüber 1990) technisch möglich und volkswirtschaftlich verkraftbar sei, das seit einigen Jahren in den Raum gestellte Ziel von sogar 95 %- CO2-Minderung eher nicht.

Für die Sektoren Energie und Gebäude zeichnen Boston Consulting und Prognos den klimapolitischen Pfad zu 80 %-CO2-Einsparungen in 2050 als eine Reihe von vor allem technologischen Anpassungen für die KWK und Fernwärme unumgänglich sind. Die KWK wird als effizienteste Nutzung konventioneller Energieträger gesehen („Efficiency First“!), wobei vor allem die Nutzung von Erdgas in Kraftwerken auch 2050 noch von signifikanter Bedeutung sein wird.

Die BDI-Studie befindet für den Gebäudesektor eine Halbierung des Endenergiebedarfs durch Dämmung und Anlagentechnik für realistisch. Zudem wird eine Reduzierung des Marktanteils der fossilen Einzelhausfeuerung von derzeit 71% auf 16% für notwendig erachtet. „Neben Wärmepumpen ist die Nah- und Fernwärme der einzige Energieträger, der sich in den 80 % und 95 % Klimapfaden für das notwendige großflächige Wachstum eignet, um Beheizung durch fossile Energieträger zu ersetzen.“ Wie so einige Zukunftsszenarien der letzten Jahre bereits aufzeigten: Was beim städtischen Wärmebedarf nicht durch Elektrifizierung und Dämmung eingespart werden kann, soll die Fernwärme leisten. Für Fernwärme wird eine Verdopplung von derzeit ca. 10 auf 21 % des Endenergieverbrauchs angenommen.

Dabei ist die Grundannahme, dass Fernwärme nicht nur zu 80 % erneuerbar sein wird, sondern vor allem auch – je nach örtlichen Begebenheiten – viel polyvalenter aufgestellt sein wird, um verschiedenste Wärmequellen einzubinden. Denn Fernwärme verkörpert die grundsätzliche Forderung der BDI-Studie, Vorfestlegungen zu vermeiden sowie technologieoffen und flexibel auf technische Entwicklungen reagieren zu können.
 

  • „Klimapfade für Deutschland“, Studie im Auftrag des BDI, 18.01.2018

Bundeswirtschaftsministerium und Bundesumweltministerium haben am 23. Januar 2017 einen Referentenentwurf für die Zusammenlegung von Energieeinspargesetz, Energieeinsparverordnung und Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz in einem Gebäudeenergiegesetz (GEG) vorgelegt. Dem Gesetzentwurf war ein längerer Diskussionsprozess vorangegangen, einschließlich mehrerer Erfahrungsberichte zum EEWärmeG, eines Gutachtens zur Zusammenlegung, sowie einer Anhörung im Bundestag. Der AGFW hatte sich dazu bereits im März 2016 positioniert und in Reaktion auf den Referentenentwurf am 1. Februar 2017 eine Stellungnahme eingebracht. Die Bundesregierung strebt an, das Gesetzesvorhaben noch in der laufenden Legislaturperiode abzuschließen.

Gut und richtig ist, dass die Ministerien vorschlagen, die bisherigen Hauptanforderungen des Gebäuderechts beizubehalten. Nicht gut ist, dass die Grundstruktur des GEG die Fernwärme deutlich diskriminiert. Das Gesetz wird weiterhin nur neuen Gebäude eine Vorgabe für den Primärenergiebedarf auferlegen, Bestandsgebäuden hingegen nicht. Die Benachteiligung für die Fernwärme besteht darin, dass sie als Quartiersversorgung gleichermaßen Bestandsgebäude und neue Gebäude versorgt. Verschärfen sich die Anforderungen an die Primärenergiefaktoren, dann muss das gesamte Wärmenetz auf das entsprechende Niveau angehoben werden. Dieser zusätzliche Aufwand wird weder berücksichtigt, noch angereizt.

Nachjustierung der Primärenergiefaktoren auf dem Verordnungsweg ist nicht sachgemäß

Der Gesetzentwurf strebt eine grundlegende Veränderung in der Systematik der Primärenergiefaktoren an. So wird in § 24 Abs. 2 GEG eine Ermächtigungsgrundlage für eine Rechtsverordnung vorgeschlagen. Mit dieser kann das BMWi sowohl die Berechnung der Primärenergiefaktoren anpassen, als auch einen zusätzlichen Korrekturfaktor „Klimawirkung“ einbringen. Hier droht eine Verkomplizierung und Verwässerung der Zielsystematik.

In seiner Stellungnahme spricht sich der AGFW gegen eine solche Rechtsverordnung aus. Vielmehr verweist der Verband auf die Notwendigkeit, die Primärenergiefaktoren auch weiterhin ausschließlich auf physikalischen Grundlagen und im Rahmen von technischen Regelwerken weiterzuentwickeln. Im Rahmen des Regelwerks FW 309-1 wird ein Methodenwechsel, von der Stromgutschrift- zur Carnotmethode vorbereitet.

Anrechnung von Bestandsgebäuden im Quartier muss Fernwärme berücksichtigen

Darüber hinaus ist im GEG eine Bonusregel für die Mitversorgung von Bestandsgebäud­­en im Quartier vorgesehen (§ 24 Abs. 1 Nr. 5). Diese Bonusregelung ist aber praktisch auf die Objekt-KWK beschränkt und schließt größere Fernwärmenetze aus. Zudem gilt der Bonus ausschließlich für den Brennstoff Erdgas und setzt voraus, dass die Wärme ausschließlich in KWK erzeugt wird.

Die Intention, die Mitversorgung bestehender Gebäude durch einen Bonus für den Neubau zu belohnen, ist für sich genommen richtig. Denn weiterhin sieht das GEG vor, dass neue Gebäude eine Vorgabe für den Primärenergiebedarf erhalten, Bestandsgebäude aber nicht. Dieses Grundprinzip benachteiligt die Fernwärme gegenüber ihren Wettbewerbern – erst recht mit Blick auf die angedachte Verschärfung der Primärenergiefaktoren.

Der AGFW fordert daher auch die Einführung einer Quartiersbilanzierung für die Fernwärme, die die positiven Effekte der bereits an die Fernwärme angeschlossenen Bestandsgebäude einbezieht und beim Anschluss neuer Gebäude und bei Gebäude-Sanierungen anrechnet.

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Der fortgesetzten Diskussion zu EnEG, EnEV und EEWärmeG folgend, legt der AGFW eine überarbeitete Zusammenfassung seiner Positionierung vor. Darin begrüßt der Verband die Bestrebungen der Zusammenführung von EnEG/EnEV und EEWärmeG unter einem gemeinsamen Gesetzesdach. Um die Akzeptanz und Anwendbarkeit des neuen Gesetzes in der Praxis zu gewährleisten, ist eine Reduktion der Komplexität und eine grundsätzliche Vereinfachung im Vollzug geboten. Allerdings sollte die Anpassung des Gesetzesrahmens mit der notwendigen Sorgfalt erfolgen. Entscheidungen sollten nicht unter Zeitdruck und ohne die Anhörung der relevanten Verbände und Stakeholder getroffen werden. Denn es gilt gut zwischen der bestehenden Gesetzessystematik und einer grundlegenden Neukonzeption und deren Folgen abzuwägen.

Der Erfahrungsbericht zum EEWärmeG bestätigt, dass sich die Anforderungen an die Nutzung der Fernwärme vom Grundsatz bewährt haben. Auch in der EnEV werden Fernwärmenetze über den Primärenergiefaktor bewertet und in die Berechnungen einbezogen. Allerdings führt das Nebeneinander von EnEV und EEWärmeG in anderen Anwendungsfällen, bzw. gerade auch bei Einzelheizungssystemen zu Umsetzungsproblemen.

Bei der Zusammenlegung ist zu berücksichtigen:

  • Wärmenetze ermöglichen die städtische Wärmewende
  • Insbesondere bei städtischen Bestandsgebäuden kann eine weitere CO2 Reduzierung gut mit „effizienter Fernwärme“ erreicht werden
  • „Quartiersdenken“(Bestand und Neubau) ist Fernwärme (District Heating)
  • Beibehaltung der bisherigen Hauptanforderungen 
    » maximaler nicht erneuerbaren Primärenergiebedarf 
    » Vorgaben zur Effizienz und Qualität der Gebäudehülle
  • Sachgerechte Bewertungsmethode für Kraft-Wärme-Kopplung
  • Fernwärme wie bisher als Erfüllungsoption bzw. Ersatzmaßnahme
  • Wettbewerbsverzerrungen durch die Festlegung von EE-Mindestanteilen vermeiden, die stets das gesamte Netz (Neubau und Bestand) treffen würden
  • Einsatz von Erneuerbaren Energien in der Fernwärme und den Ersatz alter, ineffizienter Heizkessel durch Fernwärme-Hausanschlüsse fördern

Seit dem 1. Mai 2014 gilt für Gebäude die Energieeinsparverordnung (EnEV 2014). Ab dem Jahr 2016 erhöht diese Verordnung den energetischen Standard für Neubauten, sowohl für Wohn- als auch für Nichtwohngebäude. Zur Berechnung des Jahres-Primärenergiebedarfes sind die Primärenergiefaktoren für den nicht erneuerbaren Anteil nach DIN V 18599-1 : 2011-12 zu verwenden. Der Jahres-Primärenergiebedarf für die aus einer KWK-Anlage ausgekoppelte Wärme wird durch Abzug einer Stromgutschrift von dem Primärenergieeinsatz der KWK-Anlage ermittelt. Der in Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung erzeugte Strom ist auch 2016 unverändert mit einem Primärenergiefaktor von 2,8 zu bewerten. Die Höhe des Primärenergiefaktors wird aus den Primärenergiefaktoren der durch KWK verdrängten Stromerzeugung ermittelt. Der AGFW hat 2015 beim Internationalen Institut für Nachhaltigkeitsanalysen und -strategien (IINAS) in Darmstadt eine Kurzstudie in Auftrag gegeben. IINAS hat zur Überprüfung des aktuellen Primärenergiefaktors den Grenzkraftwerkspark im Vergleich zur durchschnittlichen bundesdeutschen Stromerzeugung in 2014 sowie Szenarien für 2015 und 2020 abgebildet und damit nachgewiesen, dass der Primärenergiefaktor, des Grenzkraftwerksparks einschließlich Vorkette mit einem Wert von 2.96 sogar noch über dem derzeit in der EnEV zugrunde gelegten Wert von 2,80 liegt.

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