KWK & Strommarktdesign

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KWK & Strommarktdesign

Bundestag beschließt Gesetz zur Beschleunigung des Energieleitungsausbaus mit Redispatch-Neuregelung

Am Donnerstag, 4. April 2019, hat der Bundestag das Gesetz zur Beschleunigung des Energieleitungsausbaus in zweiter und dritter Lesung verabschiedet. Mit dem Gesetz wurde in erster Linie das Netzausbaubeschleunigungsgesetz Übertragungsnetz (NABEG) novelliert. Flankierende Änderungen wurden in weiteren Gesetzen (insbesondere EnWG, aber auch KWKG) vorgenommen.

Im EnWG werden die bislang unterschiedlichen Regelungen zu Einspeisemanagement (Abregelung von EE- und KWK-Anlagen) und Redispatch zu einem einheitlichen Regime zusammengeführt. Die Änderungen gelten sowohl für Erneuerbare-Energien- als auch für KWK-Anlagen. Damit sollen aus Sicht der Bundesregierung die Netzführung optimiert, die Kosten für die Behebung von Netzengpässen gesenkt und die Gefahren für die Systemsicherheit minimiert werden.

Die neue Redispatch-Regelung sieht vor:

  • Eine EE-Abregelung ist nur dann zulässig, wenn ein Vielfaches (mindestens 5–15-fach) an konventioneller Erzeugung abgeregelt werden müsste, um die zusätzlich abgeregelte EE-Menge einsparen zu können. Dabei sind für EE-Anlagen nicht die tatsächlichen, sondern kalkulatorische Kosten anzusetzen, die sich aus den oben genannten Faktoren bilden.
  • Für die Abregelung der KWK-Stromerzeugung aus hocheffizienten KWK-Anlagen sind die tatsächlichen Kosten anzusetzen, sofern die Anlagen im Rahmen der Ausschreibungen im KWKG bezuschlagt wurden. Für alle anderen KWK-Anlagen gelten die Vorgaben zur Abregelung von Strom aus EE-Anlagen in entsprechender Anwendung, also kalkulatorische Kosten, wenn diese die tatsächlichen Kosten übersteigen, und ein Mindestfaktor (5–15-fach). Die AGFW-Empfehlung, bei der Abregelung von KWK-Anlagen auch die Auswirkungen auf die Wärmeerzeugung zu berücksichtigen und daher bei der Bestimmung des einheitlichen kalkulatorischen Preises für KWK-Anlagen die tatsächlichen Kostenstrukturen für den Strom- und Wärmemarkt abzubilden, wurde jedoch nicht befolgt.
  • Für Anlagen der Netzreserve gelten ebenfalls kalkulatorische Kosten, außer wenn die tatsächlichen Kosten die kalkulatorischen Kosten übersteigen. Jedoch wurde es versäumt, klarzustellen, dass besondere netztechnische Betriebsmittel im Fall des kurativen Redispatch in der Einsatzreihenfolge an letzter Stelle stehen.

Diese Änderungen treten am 1. Oktober 2021 in Kraft, nicht wie ursprünglich vorgesehen schon am 1. Oktober 2020. Bis zum Inkrafttreten der neuen Regelung wird die Bundesnetzagentur die oben genannten Mindestfaktoren zur Berechnung der kalkulatorischen Kosten festlegen.

Einen ausführlichen Artikel finden Sie im AGFW-Aktuell Ausgabe 13/19. Um Zugriff zu erhalten, müssen Sie sich als Verbandsmitglied anmelden. Die Registrierung für den Mitgliederbereich können Sie hier vornehmen.


Öffentliche Konsultation des Szenariorahmens zum Netzentwicklungsplan Strom 2035

Die Übertragungsnetzbetreiber haben im Januar ihren Entwurf für den Szenariorahmen zum Netzentwicklungsplan Strom 2035 zur öffentlichen Konsultation vorgelegt. Der Szenariorahmen wird voraussichtlich im Sommer von der BNetzA genehmigt werden und als Grundlage für die Berechnungen des nächsten Netzentwicklungsplans Strom (NEP) dienen. Dabei schlagen die ÜNB die Zieljahre 2035 für die drei Zielszenarien sowie 2040 als Langfristausblick für den Szenariorahmen und somit für den NEP 2035 vor.

Alle Szenarien bilden den gleichen CO2-Emissionsreduktionspfad (mehr als -95 % bis 2050 gegenüber 1990), einen stetigen Anstieg des EE-Anteils am Bruttostromverbrauch (deutlich über 80 % bis 2050), einen signifikanten Zubau bei Windenergie on- und offshore und Photovoltaik sowie eine umfängliche Flexibilisierung des konventionellen Kraftwerksparks ab. Die Szenarien unterscheiden sich insbesondere bei der Rolle der Sektorenkopplung und des stromnetzorientierten Einsatzverhaltens von Erzeugern und Verbrauchern sowie dem EE-Anteil am Bruttostromverbrauch.

Der Entwurf für den Szenariorahmen trifft in Bezug auf den Wärmesektor und die KWK u. a. folgende Annahmen:

  • Bedeutende Rolle von Power-to-Heat-Technologien bei der Transformation des Wärmesektors;
  • fortschreitender Zubau dezentraler KWK-Anlagen zur Nahwärmeversorgung;
  • weiterhin Einsatz von KWK-Anlagen bei der öffentlichen Fernwärmeversorgung und der industriellen Prozesswärme, jedoch deutlich kleinere Rolle bei der Wärmeerzeugung;
  • steigender Anteil der Fernwärme am Wärmebedarf, jedoch zunehmend diversifizierter (z. T. strombasierter) Technologiemix bei der Wärmebereitstellung;
  • Flexibilisierung und stärkere Orientierung von KWK-Anlagen am Strommarkt durch Wärmespeicher und Power-to-Heat-Technologien;
  • zunehmende Elektrifizierung in der öffentlichen Fernwärmeversorgung und bei der Wärmeerzeugung für industrielle Prozesse, neben elektrischen Wärmeerzeugern werden alternative Wärmeerzeuger im Wärmenetz verfügbar sein (z. B. Gaskessel oder KWK-Anlage);
  • weitgehender Erhalt des Bestands an Erdgaskraftwerkska­pazitäten, bis 2035 und 2040 sogar Zuwachs bei KWK-Anlagen < 10 MW;
  • KWK-Anlagen werden gegenüber Kondensationskraftwerken bevorzugt zur Stromproduktion eingesetzt.

Weitere Informationen:
AGFW-Kurzstellungnahme

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