Klimaziele in Gebäuden erreichen mit grüner Fernwärme

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Klimaziele im Gebäudesektor erreichen mit grüner Fernwärme

Ein stetig steigender Einsatz von erneuerbaren und klimaneutralen Energien in Wärmenetzen ist ein entscheidender Baustein zum Erreichen der CO2-Ziele in vielen Städten und Gemeinden Deutschlands im Jahr 2050 oder früher.

Vor dem Hintergrund stagnierender energetischer Sanierungsraten der Gebäude, sind der Ausbau und die Transformation von Wärmenetzen oftmals die erste und gleichzeitig einzige Chance für Millionen von Bestandsgebäuden Klimaneutralität zu erreichen. Aktuelle Studien zeigen, dass bis 2030 ein Anteil von 45 % erneuerbarer und klimaneutraler Energien in der Fernwärme möglich ist – mehr als 3x höher als heute im Wärmemarkt insgesamt.

Die Fernwärmeversorger-Branche investiert schon heute Milliarden, nicht nur in den Kohleausstieg, sondern auch in die Erschließung von zusätzlichen klimaneutralen Wärmequellen, insbesondere Umweltwärme, Solar- und Geothermie, Abwärme, Wärme aus Abfall, Power-to-Heat usw. Auch wird zunehmend in die Digitalisierung von Fernwärmesystemen investiert. Hier können, bspw. durch eine adäquate Ausstattung von Fernwärmeanschlüssen mit digitaler Technologie und Komponenten, zusätzliche Effizienzen beim Wärmekunden für das gesamte Wärme- und Stromsystem gehoben werden.

Die bestehende Förderlandschaft trägt diesen Bestrebungen bisher aber nur zum Teil Rechnung und fokussiert eher auf kleinen Lösungen im Bereich von Neubauten, mit nur geringen Laufzeiten und eher kleinen Förderbudgets. Das wird den Erfordernissen einer Wärmewende nicht gerecht. Es bedarf daher dringend anderer Instrumente und Ansätze, um Transformationsprojekte für Wärmenetze zu starten und zu beschleunigen:


Bundesförderprogramm effiziente Wärmenetze (BEW)

Transformation starten

Das Bundesförderprogramm effiziente Wärmenetze besitzt das Potenzial, der Integration von erneuerbaren Energien und klimaneutralen Quellen in Wärmenetzen den notwendigen Anschub zu geben. Das erfordert politischen Mut und Entschlossenheit.

Mut, um das Programm mit einer geeigneten Laufzeit (bis 2030) und den notwendigen Mitteln auszustatten; Entschlossenheit, das Richtige in angemessener Höhe zu fördern.

 Die Bundesregierung ist gefordert,

  • das Programm-Budgets des BEW auf eine Milliarde Euro p. a. bis 2030 und die projektbezogener Höchstgrenzen auf 100 Mio. Euro anzuheben,
  • weitere Fördertatbestände aufzunehmen oder stärker zu betonen, wie beispielsweise
    • angemessene Förderkonditionen für die Errichtung und den Betrieb von Anlagen, die Biomasse oder erneuerbare Gase nutzen, einzurichten;
    • die Aus- und Einkopplung von Abwärme sowie Investitionen in Besicherungsanlagen als notwendiger Bestandteil von Fernwärmenetzen zu fördern;
    • Förderung der Integration digitaler Prozesse, Technologien und Komponenten in Fernwärmesystemen;
  • Verlässlichkeit für langfristige Investitionsprojekte, bspw. Geothermievorhaben, die sich auch durch ein hohes Fündigkeitsrisiko auszeichnen, herzustellen,
  • die Kumulierung mit anderen Förderprogrammen zuzulassen.

Abwärme

Potenziale nicht länger verschwenden

Die Erschließung und Nutzung von Abwärmepotenzialen sind in vielen Städten eine sinnvolle und teilweise notwendige Option, um den Einsatz von erneuerbaren Energien zu ergänzen oder zu ersetzen. Bis heute fehlen jedoch die entsprechenden Rahmenbedingungen und ein geeignetes Anreizsystem, um diese Potenziale für die Wärmeversorgung zu heben. Damit werden volkswirtschaftlich kostengünstige CO2-Einsparpotenziale bereits heute verschenkt, denn die Nutzung von Abwärme ist zu 100 % frei von Emissionen.

 

Die Bundesregierung ist gefordert,

  • unvermeidbarer Abwärme jeglicher Herkunft als 100 % CO2-frei anzuerkennen,
  • einen verlässlichen Förderrahmen für Abwärmenutzung und -anbindung an Fernwärme zu schaffen,
  • flankierenden Maßnahmen zum Erhalt der Versorgungssicherheit über eine Finanzierung der physischen Absicherung von Abwärmequellen (bspw. Fonds, Bürgschaften, Haftungsregelungen usw.) einzuführen,
  • die AGFW-Abwärmedefinition in Gesetzen, Förderprogrammen und Potenzialuntersuchungen zu verwenden.

Beihilfeleitlinien anpassen

Investitionsvorhaben ermöglichen

Fernwärme ist eine Systemlösung. Mit ihr werden in Städten oftmals tausende von Wohnungen über ein Leitungssystem gleichzeitig mit Wärme versorgt. Dem gegenüber stehen Einzelheizungen, die in der Regel nur eine, bestenfalls eine Handvoll von Wohnungen versorgen. Dieses Ungleichgewicht in Größe und Struktur bedingt deutliche Unterschiede.

Im Hinblick auf Modernisierung, Brennstoff- und Technologiewechsel sind Investitionen in Fernwärmesysteme relativ hoch, gleichzeitig steigt dafür ihre positive Klimawirkung für die Stadt überproportional. Die Fördermittellandschaft muss diesem Unterschied mit adäquaten Förderhöhen und -budgets Rechnung tragen. So ist beispielsweise die Höhe der „Allgemeinen Gruppenfreistellungsverordnung“ (AGVO) für insbesondere die mit Mitteln aus dem BEW geförderten Projekte deutlich zu niedrig.

 

Die Bundesregierung ist gefordert,

  • sich auf europäischer Ebene dafür einzusetzen, dass der Schwellenwert für den Fernwärmeausbau in der AGVO von 20 auf bis zu 100 Millionen Euro pro Unternehmen und Investitionsvorhaben als Fördergrenze zur EU-Einzelfallnotifizierung angehoben wird.