Die Strategie zur Sektorintegration der Europäischen Kommission

Die Strategie zur Sektorintegration (https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/?qid=1596113355190&uri=CELEX:52020DC0299) wurde in der Mitteilung zum Europäischen Grünen Deal angekündigt.

Die Strategie umfasst drei komplementäre Konzepte:

  • ein mehr „zirkuläres“ Energiesystem, in dessen Zentrum die Energieeffizienz steht,
  • eine größere direkte Elektrifizierung von Endnutzungssektoren,
  • die Verwendung erneuerbarer und kohlenstoffarmer Brennstoffe für Endanwendungen, bei denen eine direkte Heizung oder Elektrifizierung nicht machbar ist.

Kernstück der Sektorintegration ist, wie auch vom AGFW gefordert, das Prinzip „Energy efficiency first“.

Die Fernwärme spielt in der Strategie eine wichtige Rolle. Sie wurde ausdrücklich als eine saubere Technologie bezeichnet, bei der Europa die Führungsrolle behaupten und nutzen soll. Fernwärme ist nämlich ein Mittel, um Abwärme zu integrieren. Zwar beinhalten schon die bestehenden Richtlinien RED II und EED Bestimmungen, die auf das Potenzial der Abwärme abzielen, der Rechtsrahmen soll aber weiter gestärkt werden. Dazu werden Erleichterungen bei der Wiederverwendung von Abwärme geschaffen. Moderne Niedertemperatur-Fernwärmesysteme sollen außerdem gefördert werden, da sie die lokale Nachfrage mit Erneuerbaren und Abwärme decken können sowie mit dem umfassenderen Strom- und Gasnetz verbinden können – was zur Optimierung von Angebot und Nachfrage über alle Energieträger hinweg beiträgt. Falsch ist hingegen die Behauptung der Kommission, dass die Kundeninformationsrechte für Stromkunden mit dem „Winterpaket“ verbessert wurden und für Gas- und Fernwärmekunden noch weiter daran gearbeitet werden muss, diese an den Stromsektor anzugleichen.

Zurecht spricht die Kommission auch die Hindernisse beim Einsatz von PtH-Lösungen an. Das wichtigste Hindernis ist, worauf der AGFW mehrfach hingewiesen hat, das hohe Niveau der Steuern und Abgaben, die auf Strom erhoben werden und die niedrigere Besteuerung der fossilen Brennstoffe, die im Wärmesektor verwendet werden. Das führt zu ungleichen Wettbewerbsbedingungen. Diese und weitere Hindernisse führen, so die Kommission, zu niedrigen Ersatzraten bei den fossilen Heizungsvorräten in der EU, geringem Ausbau und geringer Modernisierung der Fernwärmenetze und niedrigen Gebäudesanierungsraten. Diese Hindernisse werden in der für 3. Quartal 2020 angekündigten Mitteilung zur „Renovierungswelle“ angesprochen und Lösungsansätze vorgeschlagen.

Die Sektorintegration wird außerdem eine Rolle bei der Überprüfung des Rahmens für staatliche Beihilfen, insbesondere der Leitlinien für Energie und Umweltschutz, spielen. Der Rahmen wird so angepasst, dass er zur Integration des Energiesystems beiträgt, indem er einen vollständig aktualisierten und zweckmäßigen Rahmen für einen kostenwirksamen Einsatz sauberer Energie und das gute Funktionieren der Energiemärkte schafft.

Die Strategie zur Sektorintegration ist dementsprechend insgesamt positiv zu bewerten. Sie bietet gute Ansatzpunkte, um dieses Konzept stärker zu entwickeln und die Rolle der Fernwärme entsprechend zu berücksichtigen.