Am 13.08.2020 wurde das Gebäudeenergiegesetz (GEG) im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Dieses neue Gesetz löst die Energieeinsparverordnung und das EEWärmeG ab. Es tritt am 1. November 2020 in Kraft. Die für den Primärenergiefaktor interessanten Stellen sind der § 22 und die Anlage 4.

Das Gesetz richtet sich primär an Gebäudebesitzer und ihre Auftragnehmer und nicht an Energieversorger. Daher sind nicht alle Festlegungen im Gesetz, die Wärmenetze berühren, für Wärmenetzbetreiber eindeutig und vollständig. Die AGFW-Gremien haben daher als Anwendungs- und Auslegungshilfe die  Regelwerksbausteine der Reihe FW 309 überarbeitet.

Primärenergiefaktoren werden in der Liste der fp-Bescheinigungen nach FW 309-1.pdf oder auf der Infoplattform district-energy-systems.info veröffentlicht.

Die Infoplattform (Spitzname "DESI") wurde im Herbst 2017 in Betrieb genommen und wird die "Liste der fp-Bescheinigungen nach FW 309-1" ablösen. Seit 2018 werden neue fp-Bescheinigungen über die Infoplattform veröffentlicht. Die „Liste der fp-Bescheinigungen nach FW 309-1.pdf“ steht weiterhin als Informationsquelle der Öffentlichkeit zur Verfügung. Primärenergiefaktoren die dort gelistet sind, können nach DESI „umziehen“. Für den Umzug sind die Gutachter zuständig, die die Bescheinigung ausgestellt und Zugang zum Passwort geschützten Bereich haben.

Die Arbeitsblattreihe FW 309 Energetische Bewertung von Fernwärme und Fernkälte besteht aus

  • Teil 1: Primärenergiefaktoren und Emissionsfaktoren nach Stromgutschriftmethode
  • Teil 4: Heizwasser-Fernwärmestationen,
  • Teil 5: Erfüllungsgrad und Energiequellenkennzahlen,
  • Teil 6: Emissionsfaktoren nach Arbeitswert- und Carnotmethode,
  • Teil 7: Bescheinigungen.

Die Teile 1, 5, 6 und 7 wurden anläßlich der Zusammenlegung der Energieeinsparverordnung und des Erneuerbare Energien Wärme Gesetzes zum Gebäudeenergiegesetz im Jahr 2020 zeitgleich vollständig neu erarbeitet und dabei aufeinander abgestimmt. Die beiden Geschäftsordnungen zu den Teilen 1 und 6 und die Regelungen zur Bescheinigung des bisherigen Teils 5 wurden in einem neuen Arbeitsblatt als Teil 7 zusammen gefasst. In den Titel der Arbeitsblattreihe wurde der Zusatz "und Fernkälte" aufgenommen. Alle vier neuen Arbeitsblätter werden als Entwurf zur Stellungnahme der Fachöffentlichkeit vorgelegt. Ausgabemonat November 2020, Einspruchsfrist bis 28. Februar 2021. Für die Formulierung von Kommentaren und Verbesserungsvorschlägen benutzen Sie bitte das übliche Formular, das hier heruntergeladen werden kann.

Zum neuen Teil 7 Bescheinigungen gehört eine Datei mit Musterbescheinigungen, die den Anwendern eine Orientierung über mögliche Inhalte und Struktur geben. Die Musterbescheinigungen sind jedoch keine Formulare, die genutzt werden müssen.

Der Teil 6 beinhaltet für die KWK-Bewertung nicht die Stromgutschriftmethode, die in DIN V 18599-1:2018 vorgegeben ist. Daher ist der Teil 6 nicht für die Anwendung im Rahmen des GEG konzipiert.

Die Bescheinigung über die energetische Bewertung der Fernwärme nach FW 309-1/FW 309-7 kann von Gutachtern ausgestellt werden, die die Prüfung nach dem AGFW-Arbeitsblatt FW 609 bestanden haben. 

Diese Gutachter sind auf der Infoplattform DESI zu finden (nach PLZ sortiert).
Prüfungsvoraussetzung nach Abschnitt 2.6 der FW 609 ist ein abgeschlossenes Studium im Ingenieurwesen oder einer verwandten technisch-physikalischen Fachrichtung und eine mindestens dreijährige Tätigkeit in Unternehmen der Fernwärmeversorgung, planenden oder beratenden Institutionen oder technischen Hochschulen. Der/die zu prüfende Person muss zum Zeitpunkt der Anmeldung zur Prüfung in einem Versorgungsunternehmen, einer planenden oder beratenden Institution oder einer technischen Hochschule ständig beschäftigt und mit Planung, Bau, Betrieb oder wissenschaftlicher Analyse von Fernwärmetransportanlagen und / oder Fernwärmeerzeugungsanlagen befasst sein.

Die Prüfung nach FW 609 ist Teil des AGFW Gutachter Kollegs.

Für wen ist das Kolleg?

Das Kolleg ist die Web-basierte Wissens-Plattform und Online-Training für Gutachter und Gutachter-Kandidaten nach AGFW-Arbeitsblatt FW 609 "Prüfung von Gutachtern für spezifische Primärenergiefaktoren von Fernwärmesystemen"

Das Kolleg steht aber auch offen für Interessierte, die nicht beabsichtigen, eine Prüfung abzulegen.

Was bietet das AGFW Gutachter Kolleg?

  • Alle Inhalte zur Vorbereitung auf die Prüfung unterteilt in kurze kompakte Lerneinheiten. Diese werden von den Referenten aktualisiert und fortlaufend um neue aktuelle Inhalte erweitert. Auch die zu erwartenden Änderungen aufgrund des Inkrafttretens des Gebäudeenergiegesetzes am 1. November 2020 und die damit verbundene Überarbeitung der FW 309-1 werden künftig in das Online-Training eingearbeitet.
  • Den "Fitnesstest", mit dem der eigene Wissensstand überprüft und dokumentiert werden kann.
  • Die Prüfung nach FW 609. Die bestandene Prüfung berechtigt dazu, auf der Info-Plattform DESI fp- Bescheinigungen zu veröffentlichen.

Onlinetraining, Fitnesstest und Prüfung richten sich zeitlich nach Ihnen. Es gibt keine vorgegebenen Termine. Sie rufen die Inhalte auf, wenn Sie sie benötigen.

Wie werden Sie Mitglied im Kolleg?

Der Zugang zum AGFW Gutachter Kolleg erfolgt Passwort geschützt und ist kostenpflichtig. Der Preis kann der folgenden Tabelle entnommen werden:

 

für Noch-nicht-Gutachter

für Gutachter, die in den 2010ern das AGFW-Primärenergiefaktoren-Seminar besucht haben

 

Paket 1.1
(1 Jahr Zugang)

Paket 1.3
(3 Jahre Zugang)

Paket 2.1
(1 Jahr Zugang)

Paket 2.3
(3 Jahre Zugang)

Eröffnungsaktion bis 31.12.2020:
1 Jahr Zugang

Eröffnungsaktion bis 31.12.2020:
3 Jahre Zugang

AGFW-Mitglieder

314 €

457 €

164 €

337 €

129 €

309 €

sonstige

427 €

621 €

223 €

458 €

169 €

389 €

Die Preise gelten zzgl. Mehrwertsteuer und gelten bis 31.12.2020.

Wenn Sie Zugang zum AGFW Gutachter Kolleg erwerben möchten, schreiben Sie mir einfach eine E-mail mit dem ausgefüllten Anmeldeformular.

Zum Inkrafttreten des GEG: Welche Bescheinigungen sollten neu ausgestellt werden?

Bescheinigungen nach der Geschäftsordnung zum Arbeitsblatt AGFW FW 309‐1:2014 behalten ihre Gültigkeit sofern konkrete Bestimmungen des Gebäudeenergiegesetzes nicht entgegen stehen. Dies muss im Einzelfall geprüft werden. Da das GEG an dem bisherigen Bilanzierungsprinzip und an den meisten bisherigen Primärenergiefaktoren festhält, wird eine Neuberechnung nur in Einzelfällen notwendig sein. Umstände, die eine Einzelfallprüfung empfehlenswert erscheinen lassen, sind:

  • Fälle mit flüssiger oder gasförmiger Biomasse könnten betroffen sein, da der Gesetzgeber für manche dieser Brennstoffe teilweise Neuerungen eingeführt hat (s. GEG § 22 Absatz (1)).
  • Bescheinigungen, die nicht nach FW 309-1:2014-05 ausgestellt wurden, sondern nach anderen ggf. älteren technischen Regeln.
  • KWK-Wärmenetzsysteme, die einen hohen Strombedarf haben und diesen nicht mit selbst erzeugtem KWK-Strom decken, sondern aus dem Stromverbundnetz beziehen. Diese Faktoren sind von dem Unterschied zwischen der alten und der neuen Formel 1 betroffen. Die neue Formel 1 führt bei gleichen Eingangsdaten zu einem niedrigeren Primärenergiefaktor.

Primärenergiefaktoren < 0,3 sind vom neuen § 22 Absatz (3) betroffen. Dies bedeutet aber nicht zwangsläufig eine Pflicht zur Neuberechnung. Die Handlungsoptionen sind unter der häufig gestellten Frage "Wie können Wärmenetzbetreiber ihre Kunden über ihren Primärenergiefaktor und Emissionsfaktor informieren?" dargestellt.

Wie können Wärmenetzbetreiber ihre Kunden über ihren Primärenergiefaktor und Emissionsfaktor informieren?

Seit der ersten EnEV 2002 gibt es die Wahlmöglichkeit für Fernwärme einen Pauschalfaktor aus der Primärenergiefaktorentabelle zu verwenden oder den Netz spezifischen Faktor zu berechnen. Das entscheidet der Wärmenetzbetreiber. Diese Regelung ändert auch das Gebäudeenergiegesetz nicht. Die spezifische Berechnung wird in § 22 Absatz (2) beschrieben, die Anwendbarkeit der Pauschalfaktoren in § 22 Absatz (4). Neu hinzugekommen ist der Absatz (3) mit der sog. Kappungsregel, die bestimmt, dass sehr niedrige Faktoren bei 0,3 "gekappt" oder abgeschnitten werden. Neu sind auch die Emissionsfaktoren in Anlage 9, die ebenfalls spezifisch berechnet oder pauschal ohne Berechnung einer Tabelle entnommen werden können. Die Gebäudeeigentümer als Adressaten des GEG sind in jedem Fall auf Informationen des Wärmenetzbetreibers angewiesen.

Der Wärmenetzbetreiber hat nicht nur die Wahl zwischen Pauschalfaktor und spezifischer Berechnung, sondern im Falle der spezifischen Berechnung auch noch weitere Wahlmöglichkeiten nach FW 309-7. Eine Hilfestellung zu den Handlungsoptionen finden Sie in der Datei FAQ zum GEG – Wie die Kunden informieren?

Dürfen die Entwürfe der FW 309 Ausgabe November 2020 bereits angewendet werden?

Bei der FW 309-1 handelt es sich um eine Anwendungs- und Auslegungshilfe zu den einschlägigen Vorschriften des GEG. Soweit die FW 309-1 unbestimmte Rechtsbegriffe des GEG lediglich auslegt, handelt es sich um norminterpretierende technische Regeln. Diese sind unverbindlich, da die Auslegung von Rechtsvorschriften des GEG den Gerichten vorbehalten ist.

Soweit die FW 309-1 unbestimmte Rechtsbegriffe des GEG konkretisiert, bedürfen sie zu ihrer Verbindlichkeit der allgemeinen Anerkennung. Eine technische Regel ist dann allgemein anerkannt, wenn sie der Richtigkeitsüberzeugung der technischen Fachleute entspricht und sich praktisch bewährt hat. Die Richtigkeitsüberzeugung der technischen Fachleute liegt erst dann vor, wenn der Regelsetzungsprozess abgeschlossen ist. Das ist in Bezug auf die FW 309-1 der Fall, wenn ihre Schlussfassung vorliegt. Sie wird für das Frühjahr 2021 erwartet.

Gleichwohl ist zu berücksichtigen, dass technische Regeln einer Fortschreibung bedürfen, um die vorherrschende Ansicht der Fachleute entsprechend dem stetigen Wandel noch richtig wiederzugeben. Das gilt nicht nur, wenn sich technische Standards, sondern auch die gesetzlichen Grundlagen geändert haben. Daher ist es angemessen, bereits jetzt die neue Entwurfsfassung der FW 309-1 anzuwenden, soweit damit dem neuen Rechtsrahmen des GEG Rechnung getragen werden soll. Zu beachten ist, dass die Entwurfsfassung der FW 309-1 im Rahmen des Regelsetzungsprozesses Veränderungen unterliegen kann.

Ändert das GEG die Bewertung von Biomethan in KWK-Anlagen?

Nein. Die Regelung in GEG § 22 Absatz (1) Nummer 2 zu Biomethan in KWK-Anlagen entspricht inhaltlich der Auslegung XXII-1 Nummer 7 der Fachkommission Bautechnik zur EnEV 2013. Auch Brennstoffgemische werden seit der EnEV 2013 in DIN V 18599-1 Anhang A.3 Ermittlung des Primärenergiefaktors bei Stoffgemischen behandelt. Brennstoffgemische werden dort nicht ausgeschlossen.

Wie ist GEG Anlage 9 Nummer 1e) zu verstehen?

"Bei der Ermittlung der Emissionsfaktoren nach Buchstabe c sind die Vorkettenemissionen der einzelnen Energieträger und die Netzverluste zu berücksichtigen.“ Die in Nummer 3 der Anlage 9 aufgeführten Emissionsfaktoren beinhalten bereits die Vorkette. Dies wird deutlich, wenn man diese Faktoren mit denen des EU-Emissionshandels vergleicht, die ohne Vorkette angegeben werden. (s. auch FW 309-6, Tabelle A.1) Daher wird die Anforderung in 1e) Satz 1 automatisch erfüllt, wenn bei der spezifischen Berechnung die Faktoren für die zugeführten Energieträger der Tabelle in GEG Anlage 9 Nr. 3 bzw. FW 309-1, Tabelle A.1 genutzt werden.

Können Wärmeteilmengen aus Erneuerbaren Energien bilanziell bestimmten Kunden zugeordnet und als „grüne“ Wärme nach FW 309-1 bescheinigt werden?

Prinzipiell gilt: EIN NETZ, EIN FAKTOR! Wird abweichend von diesem Prinzip ein Wärmenetz in Teilnetze unterteilt, so richten sich die daraus resultierenden Teil-Primärenergiefaktoren nach den tatsächlichen physikalischen Energieströmen, d.h. wenn sich fossile und regenerative Wärme physisch in der Rohrleitung vermischen, dann ergibt sich auch bei der Berechnung des Primärenergiefaktors ein Mischwert aus diesen beiden Strömen.