Matrix Umweltrelevanz FW-Anlagen / Prozesse & Stoffe

Matrix Umweltrelevanz

Achtung bei flexiblen Schlauchleitungen - Kennzeichnung häufig irreführend

Schlauchleitungen für den Einsatz in der Wärmeversorgung sind entweder aus elastomeren Werkstoffen (Gummi) gefertigt oder als sog. Metallschlauchleitungen bzw. Panzerschläuche (Gummischläuche mit äußerem Drahtgeflecht) ausgeführt. Ihr Einsatzgebiet ist äußerst vielfältig; flexible Schlauchleitungen werden z. B. als Provisorien zum vorübergehenden Anschluss von Erzeugungsanlagen, bei Umschlussarbeiten oder auch zum Entleeren des Rohrleitungssystems eingesetzt. Stets sind unbedingt ihre Einsatzbedingungen, wie max. zulässiger Druck, Temperatur und Biegeradius sowie die Gültigkeit des Prüfsiegels zu beachten.

Aus aktuellem Anlass weist der PK „ Arbeitssicherheit & Gesundheitsschutz“ darauf hin, dass nicht die aufgedruckte oder geprägte Schlauchkennzeichnung maßgeblich ist, sondern die Angabe auf dem zugehörigen Datenblatt. Die Kennzeichnung von flexiblen Schlauchleitungen (z. B. 120 °C, 10 bar) ist häufig irreführend, da gem. zugehörigem Datenblatt die Schläuche nur kurzfristig für die angegebene Temperatur ausgelegt sind (und dann auch nur bei reduziertem Druck)! D. h. bei der aufgedruckten oder geprägten Kennzeichnung handelt es sich i.d.R. um Maximalwerte, die häufig nur kurzzeitig und nicht gleichzeitig garantiert werden. Es ist folglich unbedingt anhand des Datenblattes zu prüfen, ob der einzusetzende Schlauch für die Betriebsparameter dauerhaft geeignet ist. Zudem empfiehlt der PK, die Schläuche nicht nur vor der ersten Inbetriebnahme einer Ordnungsprüfung (Kontrolle der Registriernummer, des Verwendungszwecks, der Fristenfestlegung für wiederkehrende Prüfungen) zu unterziehen, sondern sie mindestens einmal jährlich durch eine befähigte Person zu überprüfen.

Die regelmäßig wiederkehrenden Prüfungen beinhalten:

  • Ordnungsprüfung
  • äußere Prüfung (Sichtprüfung)
  • Widerstandsprüfung bei nichtmetallischen Schlauchleitungen
  • Dichtheitsprüfung
  • Druckprüfung. Ist eine Schlauchleitung länger als ein Jahr nicht mehr im Einsatz gewesen, so ist diese vor dem nächsten Einsatz ebenso durch eine befähigte Person zu prüfen.

Nähere Informationen: Dr.-Ing. Heiko von Brunn, 069 6304 201, h.v.brunn@agfw.de

Qualifikation des Bedienpersonals von mobilen Atmosphärenmessgeräten - AGFW und BG ETEM bestätigen die Forderungen der DGUV Regel 103-002 "Fernwärmeverteilungsanlagen"

Vor dem Hintergrund wärmespezifischer Regeln, z. B. DGUV Regel 103-002 "Fernwärmeverteilungsanlagen" sowie AGFW-Arbeitsblatt FW 439 "Umgang mit mobilen Gasmessgeräten für die Schacht-/Kanal­atmosphärenmessung in der Fernwärme", ist in der Wärmebranche keine Notwendigkeit einer speziellen Ausbildung des Bedienpersonals - so, wie in DGUV Grundsatz 313-002 "Auswahl, Ausbildung und Beauftragung von Fachkundigen zum Freimessen nach DGUV Regel 113-004") beschrieben - gegeben. Die in der DGUV Regel 103-002 bzw. FW 439 beschriebenen Anforderungen an die Qualifkation der betroffenen Mitarbeiter werden als völlig ausreichend angesehen. Die BG ETEM weist hierauf auch in ihrer Ausgabe der Zeitschrift "etem - Magazin für Prävention, Rehabilitation und Entschädigung (04.2015) hin.

Vereinfachte, praxisorientierte Gefährdungsbeurteilung und Maßnahmenüberprüfung

Da immer wieder große Unsicherheiten zur praktischen Umsetzung der Forderungen der § 5 u. 6 des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) auftreten, gibt der AGFW folgenden Hinweis:

Der EK "Organisations- und Arbeitssicherheit" empfiehlt, die Gefährdungsbeurteilung auf der Basis normierter Schutzziele (Vorlagen/Muster-Handbücher, Regelwerke) zu erstellen.

Das heißt, exisitieren normierte Schutzziele, können die darin zugrunde liegenden Gefährdungsbeurteilungen und Regelungsinhalte übernommen und in unternehmensspezifischen Betriebsanweisungen zusammengefasst werden. Im Bedarfsfall ist diese unternehmensspezifische Anpassung durch eine Vor-Ort-Begehung zu ergänzen. Der Prozess der Anpassung ist zu dokumentieren.

Die jeweiligen Führungskräfte überprüfen und dokumentieren die Einhaltung der Anweisungen durch regelmäßige Kontrollen (Maßnahmenüberprüfung).

Die Gefährdungsbeurteilungen sind bei Prozessveränderungen anzupassen. Die erstellten Anweisungen sind regelmäßig (mindestens jährlich) hinsichtlich ihrer Maßnahmenwirksamkeit zu überprüfen und ggf. zu aktualisieren.

Forderungen des Arbeitsschutzgesetzes und der neuen Fassung der Betriebssicherheitsverordnung zur Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung

DGUV Regel 103-002 "Fernwärmeverteilungsanlagen"

Die aktuelle Fassung (Stand Feb 2011) trägt die Ordnungsnummer DGUV Regel 103-002 (Alt: BGR/GUV-R 119). Auf Betreiben und unter Beteiligung des AGFW sind zahlreiche Konkretisierungen und Neuerungen im Vergleich zu der bisher gültigen Fassung vom April 2006 eingearbeitet worden.

DGUV Regel 103-009 Wärmekraftwerke und Heizwerke ersetzt BGV/GUV-V C 14 (NEU: DGUV Vorschrift 30)

Die neue Regel Wärmekraftwerke und Heizwerke" (DGUV Regel 103-009) gilt für das Betreiben von Wärmekraftwerken, Heizwerken und Anlagen zur thermischen Behandlung von Abfällen (Müllverbrennungsanlagen) mit einer Feuerungswärmeleistung von 5 MW und mehr*, während sich der Geltungsbereich der BGV/GUV-V C 14 über das Betreiben von Wärmekraftwerken und Heizwerken mit einer thermischen Gesamtleistung von mehr als 10 MW erstreckte.

In der DGUV Regel 103-009 (Alt: BGR/GUV-R 240) sind u. a. Anforderungen definiert

  • zur Organisation,
  • bei speziellen Gefährdungen (z. B. Hitzeeinwirkungen, Verwendung von Gefahrstoffen, Gefährdungen durch unter Druck stehenden Anlagenteile),
  • beim Befahren von und Arbeiten in Anlagenteilen sowie
  • bei Arbeiten in Anlagen zur thermischen Abfallbehandlung (z. B. Schutz gegen Absturz an Müllbunkern) oder
  • bei Notfallmaßnahmen (Flucht und Rettung).

Neben der Veränderung des Geltungsbereichs wurden in der DGUV Regel 103-009 Aktualisierungen/Anpassungen an den aktuellen Ordnungsrahmen (Gesetze, Verordnungen, Vorschriften, technische Regeln) sowie ein inhaltlicher Abgleich mit der DGUV Regel 103-002 Fernwärmeverteilungsanlagen vorgenommen. 

*Die Regel gilt nicht für kleine Feuerungsanlagen (z. B. Heizungsanlagen für Wohngebäude) nach der Ersten Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (Verordnung über kleine und mittlere Feuerungsanlagen – 1. BImSchV).

Erarbeitung der BGI´n für das Anbohren und Rohrfrosten

Erarbeitung der BGI´n für das Anbohren und Rohrfrosten

Die BGI 5066 (NEU: DGUV Information 203-040) Frosten von Rohrleitungen sowie die BGI 5067 (NEU: DGUV Information 203-041) Anbohren von Fernwärmeleitungen wurden im Jahr 2008 durch eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Mitarbeitern des Arbeitskreises sowie der BG ETEM, erarbeitet.

Die BGI´en stellen keine Alternativlösung der entsprechenden Arbeitsblätter des AGFW dar, sondern geben ergänzende praktische Hinweise. Kommentierende Bilder und Schemata sollen die Durchführung der Anforderungen deutlich machen. Als besonderer Hinweis ist in der BGI 5066 bestätigt, dass derzeitig nur ein einziges zertifiziertes Verfahren zum Frosten von Fernwärmeleitungen zugelassen ist, das von Air-liquide angeboten wird.

Das Frosten von Fernwärmeleitungen mittels CO2 unter Betriebsbedingungen wurde für die Fernwärme-Branche noch nicht zertifiziert.

 

Bisherige Erfahrung aus der Praxis zur Anwendung der BGR 119

Die Praxisanwendung der BGR 119 war mehrfach Thema von Fachgesprächen und Diskussionen. Dies spiegelte sich auch in den Erfahrungsaustauschen der Branche wider. Es gab eine Reihe von Hinweisen zur praktikablen Anwendung.

Hinweise gab es zur Abhängigkeit der Verdampfung des Wassers in Abhängigkeit vom Stickstoffgehalt. Zudem sollten die Bilder 1 und 2 (Schaltschemata) vereinfacht werden. Umfänglich wird immer wieder über den Sicherungsposten diskutiert. Eindeutig wird bei der Begehung von Schächten auf die Notwendigkeit von mindestens 2 befähigten Personen hingewiesen. Weitere Punkte in der Praxis sind die Probleme bei Entleerungsprozessen an verschiedenen Leitungssystemen. Dies betrifft besonders flexible und flach verlegte Leitungen.

 

Diskussion zum Einsatz elektrischer Betriebsmittel

Aktuell steht die Diskussion zur Erstprüfung von elektrischen Betriebsmitteln im Vordergrund. In Anlehnung an die §§ 2 und 3 der Betriebssicherheitsverordnung erscheint eine Erstprüfung unausweichlich. In § 5 Prüfungen der BGV A3 Elektrische Anlagen und Betriebsmittel wird die Forderung der Prüfung vor der ersten Inbetriebnahme ebenfalls erhoben. In § 5 (4) wird diese Forderung jedoch relativiert.

§ 5 Prüfung

(4) Die Prüfung vor der ersten Inbetriebnahme nach Abs. 1 ist nicht erforderlich, wenn dem Unternehmer vom Hersteller oder Errichter bestätigt wird, dass die elektrischen Anlagen und Betriebsmittel den Bestimmungen dieser Unfallverhütungsvorschrift entsprechend beschaffen sind.

Weitere Hinweise sind im Arbeitsschutzgesetz als Grundlage enthalten.

Als Fazit bleibt: Eine Erstprüfung ortsveränderlicher Arbeitsmittel muss man als Sorgfaltspflicht an sich selber sehen, um sich und die Kollegen vor rechtlichen Problemen zu schützen (Prinzip der Gefährdungsbeurteilung gem. § 3 Betriebssicherheitsverordnung).

Autor: Wolfgang Fellmann von der Vattenfall Europe Wärme AG, Berlin

Übertragung von Unternehmerpflichten

Das Ordnungswidrigkeitengesetz (OWiG) ermöglicht es dem Unternehmer, jede ihm obliegende Pflicht grundsätzlich auf jede Person zu übertragen. Aus dem Gesichtspunkt der Aufsichtspflicht kann sich für ihn sogar die Verpflichtung ergeben, gewisse Pflichten auf andere Personen zu übertragen, nämlich dann, wenn die ihn als Inhaber des Betriebes treffenden Pflichten so zahlreich und vielschichtig sind, dass er außerstande ist, sie selbst im einzelnen wahrzunehmen.

In Einzelfällen erübrigt sich allerdings eine Pflichtenübertragung auf bestimmte Personen, soweit diese nämlich bereits aus einem anderen Rechtsgrund eigenständige Pflichten auf dem Gebiet der Unfallverhütung haben. Dies trifft insbesondere auf Personen zu, die vom Unternehmer beauftragt sind, den Betrieb ganz oder zum Teil zu leiten, z.B. Betriebsleiter, Direktoren, Prokuristen.

Eine wirksame Pflichtenübertragung setzt die Einhaltung bestimmter Kriterien voraus. Es muss eine ausdrückliche Beauftragung durch den Unternehmer dergestalt erfolgen, dass die Erfüllung der Pflichten in eigener Verantwortung geschieht (§ 9 Abs. 2 Nr. 2 OWiG). Dies bedeutet, dass dem Beauftragten die erforderliche Entscheidungsbefugnis und Vollmacht eingeräumt werden, in dem übertragenen Pflichtenrahmen selbständig mit verbindlicher Wirkung für den Unternehmer zu handeln. Soweit im Einzelfall zur Durchführung der übertragenen Pflichten finanzielle Entscheidungen erforderlich werden, muss dem Beauftragten die Verfügungsbefugnis über Geldmittel eingeräumt werden.

Nähere Informationen:

BGI 508 (NEU: DGUV Information 211-001) Übertragung von Unternehmerpflichten

Einsatz von Gaswarngeräten nach Maßgabe der BGR 119 (NEU: DGVU Regel 103-002) sowie BGR 117-1 (NEU: DGUV Regel 113-004)

Der Einsatz von Gaswarngeräten zur Prüfung der Schachtatmosphäre erfordert gemäß BGI 836 und 518 vor dem arbeitstäglichen Einsatz die Prüfung mit Null- oder Prüfgas. Dieser Vorgang ist notwendig, aber bei Außendienstmitarbeitern oft nur schwer realisierbar. Versuchsreihen bei Vattenfall in Hamburg in Form von Feldtests über einen Zeitraum von 4 Monaten mit Datenloggern haben gezeigt, dass es zu keiner Zeit zu einer signifikanten Auffälligkeit oder Abweichung gekommen ist.

Anlehnend an den Anwendungsbereich der BGR 119 Fernwärmeverteilungsanlagen sowie dem Abschnitt 6 Prüfung konnte unter der Voraussetzung der vierteljährlichen Sachkundeprüfung bei der Anwendung einer Gerätekonfiguration der Fa. Dräger und GFG bestätigt werden, dass auf eine arbeitstägliche Funktionsprüfung mit Prüfgas gemäß BGI 836 Abschnitt 8 sowie BGI 518 Abschnitt 9 verzichtet werden kann. Diese Bestätigung gilt aber derzeitig nur für den Einsatz der entsprechenden Geräte im Fernwärmenetz der Vattenfall Europe Hamburg und Berlin. Der Arbeitskreis bemüht sich z. Zt. um allgemein gültige Aussagen der verschiedenen, auf dem deutschen Markt vertretenen Hersteller.

Verbindlichkeit berufsgenossenschaftlicher Vorschriften bei entgegenstehenden TRBS

Der FA "Organisations- und Arbeitssicherheit" stellt fest: Die Gesetze zur Arbeitssicherheit, die Verordnungen (z. B. die Betriebssicherheitsverordnung), die nachgelagerten Technischen Regeln für Betriebssicherheit (TRBS) und die weiteren anerkannten Regeln der Technik (z. B. AGFW-Regelwerk, DIN) stellen die Basis zur Umsetzung der Forderungen zur Arbeitssicherheit im Unternehmen dar.

Die bestehenden berufsgenossenschaftlichen Vorschriften (BGV) werden sukzessive durch TRBS/anerkannte Regeln der Technik abgelöst.

Bei widersprüchlichen Regelungen gilt: TRBS vor BGV.

Für die anerkannten Regeln der Technik gilt: Branchenregelung geht vor Allgemeinrege­lung (z. B. AGFW-Regelwerk vor allgemeinen DIN-Normen).