Das 4-Säulen-Modell zur Steigerung der Akzeptanz der Fernwärme

Die Fernwärme ist weiterhin ein zentraler Baustein der deutschen Wärmewende. In diesem Kontext steigt auch die Bedeutung von Akzeptanz und Vertrauen für die Fernwärme, um den gesellschaftlichen Rückhalt der Wärmewende nicht zu gefährden. Während die Politik die Thematik nun unter anderem im Rahmen der Novellierung des Gebäudeenergiegesetzes (umgangssprachlich Heizungsgesetz) angeht, hat auch der AGFW ein Konzept entwickelt, um seinen Teil zur Akzeptanzsteigerung beizutragen: Das 4-Säulen-Modell für mehr Akzeptanz der Fernwärme.
Transparenz schafft Vertrauen, Vertrauen schafft Akzeptanz.
Das erste sichtbare Ergebnis des 4-Säulen-Modells ist die Preistransparenzplattform (waermepreise.info), getragen von den Verbänden AGFW, BDEW und VKU. Sie dient dem Zweck, Kennzahlen von Wärmenetzen zentralisiert und öffentlich zugänglich abzubilden. Hier veröffentlichen Wärmenetzbetreiber etwa Mischpreise für Standardabnahmefälle, Netzverluste oder den Anteil erneuerbarer Energien ihrer einzelnen Netze. Verbraucher sollen diese Informationen dabei unterstützen, sich besser auf dem Fernwärmemarkt orientieren zu können. Die Plattform erhöht die Transparenz innerhalb der Branche, ohne dabei unnötige und ineffiziente Bürokratie aufzubauen.
Stand Januar 2026 sind bereits knapp 700 Netze und mehr als die Hälfte des leitungsgebundenen Wärmeabsatzes in Deutschland abgebildet. Sie bietet somit eine wichtige Informationsgrundlage für sachliche Diskussionen über Fernwärmepreise. Hinzu kommt, dass die Plattform kontinuierlich aktualisiert und weiterentwickelt wird. Derzeit deutet sich außerdem an, dass eine Teilnahme künftig von politischer Seite noch stärker eingefordert werden könnte.
Mehr Informationen zur Preistransparenzplattform
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Die Preistransparenzplattform
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Standards schaffen Verständlichkeit, Verständlichkeit schafft Vertrauen und Akzeptanz.
Die 2. Säule setzt darauf, mehr Branchenstandards zu etablieren bzw. bestehende Standards noch weiter zu vereinheitlichen. Ziel ist es die Verständlichkeit, vor allem von Preisänderungsklauseln, für Verbraucher zu erhöhen. Eine einheitliche Klausel für alle Netze, ist aufgrund großer Unterschiede bei Wärmequellen, Netzinfrastruktur und Abnehmerstrukturen zwar nicht möglich, Begriffe, Aufbau und Logik lassen sich allerdings doch in gewissem Maße vereinheitlichen.
Hier greift der Ende 2025 veröffentlichte „Praxisleitfaden Fernwärmepreissysteme“ des AGFW an. Er bündelt standardisierte Begriffe und Vorgehensweisen, definiert Preiskomponenten klar und ermöglicht konsistente Formelbestandteile. Somit soll die Komplexität dort reduziert werden, wo sie Verständnis am stärksten im Weg steht und das, ohne die Bandbreite netzspezifischer Besonderheiten auszublenden.
Mehr Informationen zum Praxisleitfaden
[+]Weiterführende Informationen zum "Praxisleitfaden Fernwärmepreissysteme“ finden sie hier.
Der Praxisleitfaden Fernwärmesysteme
[+]Den „Praxisleitfaden Fernwärmepreissysteme“ finden Sie hier.
Wo Leistungen und Erwartungen aufeinandertreffen, können Konflikte nie vollkommen ausgeschlossen werden. Wichtig für Akzeptanz und Vertrauen ist ein fairer und lösungsorientierter Umgang damit.
Hier kommt die 3. Säule ins Spiel: AGFW, BDEW und VKU empfehlen ihren Mitgliedern die Teilnahme an der Universalschlichtungsstelle des Bundes, dem Zentrum für Schlichtung e. V.. Dabei handelt es sich um eine neutrale Schlichtungsstelle für Konflikte zwischen Unternehmen und Verbrauchern. Sie wird tätig, wenn in einem Streitfall ein erster Einigungsversuch zwischen den beiden Parteien erfolglos geblieben ist. Die Stelle ermöglicht eine strukturierte, zügige und vor allem eine neutrale Klärung und schafft somit Verlässlichkeit für beide Seiten.
Mehr Informationen zur Schlichtungsstelle
[+]Weiterführende Informationen zur Universalschlichtungsstelle des Bundes finden sie hier.
Die Universalschlichtungsstelle des Bundes
[+]Die Homepage der Universalschlichtungsstelle des Bundes finden Sie hier.
Akzeptanz entsteht letztendlich nicht auf Plattformen, in Leitfäden oder Schlichtungsstellen. Sie entsteht vor Ort, im direkten Kontakt mit Kunden, mit Kommunen und mit der gesamten Öffentlichkeit.
Die 4. Säule ist somit die wichtigste. Sie zielt darauf ab, dass die ersten drei Säulen auch in den Unternehmen umgesetzt werden. Konkret bedeutet das für Fernwärmeversorgungsunternehmen: Die eigenen Wärmenetze auf der Preistransparenzplattform sichtbar machen, die Standards des Praxisleitfadens in den eigenen Verträgen und Preissystemen zu berücksichtigen und die Beteiligung an der Universalschlichtungsstelle. Vor allem aber geht es darum, die Kommunikation vor Ort strategisch und vorausschauend auszurichten. Das frühzeitige Teilen von Informationen sowie der Austausch über Bauvorhaben, Anschlusszeiträume, Preisbestandteile und Transformationspfade mit allen relevanten Stakeholdern sind hier essenzielle Bestandteile einer akzeptanzfördernden Kommunikation der Unternehmen.





