Technische Anschlussbedingungen - Heizwasser (TAB-HW)
Die Technischen Anschlussbedingungen - Heizwasser (TAB-HW) sind von zentraler Bedeutung für die sichere, effiziente und rechtssichere Einbindung von Kundenanlagen in Fernwärmenetze. Mit der Veröffentlichung des neuen Musterwortlauts zur Erstellung von TAB-HW im März 2024 stellt der AGFW ein praxisnahes, normbasiertes Hilfsmittel bereit, das insbesondere kleineren Fernwärmeversorgungsunternehmen (FVU) die Formulierung eigener TAB erheblich erleichtert.
Die TAB-HW fassen die für den jeweiligen Versorgungsfall geltenden technischen Regeln zusammen und können nach § 17 AVBFernwärmeV Bestandteil des Fernwärmeliefervertrags werden. Damit sind sie für den Anschlussnehmer ebenso verbindlich wie für die beauftragten Planungs- und Installationsfirmen. Sie definieren technische und qualitative Mindeststandards und gewährleisten so eine wirtschaftliche, störungsfreie und sichere Wärmeversorgung.
Der Praxisleitfaden basiert auf dem Stand der Technik und ersetzt die bisherige Fassung von 2015 (AGFW-M-FW 515). Er ist modular aufgebaut und ermöglicht es FVU, standardisierte Textbausteine effizient an eigene Anforderungen anzupassen. Damit erhalten auch kleinere Versorger ein rechts- und normkonformes Gerüst zur Entwicklung eigener TAB.
Besonderer Fokus liegt auf der technischen Übereinstimmung mit anerkannten Regeln, u. a. mit der DIN 4747 (Ausgabe 2022), die sicherheitstechnische Ausrüstung von Hausstationen sowie Anforderungen an Verbindungstechniken, Druckgeräte und Temperatursicherungen regelt.
Der Musterwortlaut umfasst unter anderem:
technische Anforderungen an Übergabestationen und Hauszentralen (inkl. direkter und indirekter Anschlüsse),
verbindliche Vorgaben zur Temperaturfahrweise (konstant, gleitend, gleitend-konstant),
sicherheitstechnische Ausrüstungen (z. B. Temperatur- und Druckabsicherungen gemäß DIN EN 14597),
Regelungen zur Ermittlung von Heizlasten nach DIN EN 12831, DIN 4708 und VDI 2078,
Integration zusätzlicher Systeme wie Trinkwassererwärmung, Pufferspeicher oder solarthermische Anlagen,
Anforderungen an Mess- und Kommunikationseinrichtungen inkl. Fernablesbarkeit gemäß FFVAV.
Darüber hinaus werden Hinweise zur Werkstoffauswahl und Verbindungstechnik gegeben – in Orientierung an AGFW FW 531 und DIN-Vorgaben.
Der Praxisleitfaden unterscheidet zwischen drei typischen Netzfahrweisen:
Konstante Fahrweise – z. B. für Prozesswärme oder Kälteanlagen,
Gleitende Fahrweise – abhängig von Außentemperaturen,
Gleitend-konstante Fahrweise – kombinierte Lösung für Raumheizung und Trinkwassererwärmung.
Für jede dieser Betriebsweisen bietet der Leitfaden abgestimmte technische Vorgaben, etwa zur Rücklauftemperaturbegrenzung oder zur Volumenstromauslegung. Die TAB-HW entfalten ihre Wirkung durch vertragliche Einbindung in den Liefervertrag. Damit sind sie für den Kunden ebenso bindend wie für die Ausführenden. Sie schaffen klare Verantwortlichkeiten und reduzieren Interpretationsspielräume. Der Praxisleitfaden stellt sicher, dass alle sicherheits- und versorgungstechnischen Anforderungen dokumentiert, nachvollziehbar und normgerecht umgesetzt werden.
Der Praxisleitfaden bietet somit Rechtssicherheit, technischen Konsens und einfache Anpassbarkeit in einem Dokument. Damit bildet er die Grundlage für eine standardisierte und zugleich anpassungsfähige TAB-Erstellung – ein unverzichtbares Werkzeug im Kontext der Wärmewende und des Ausbaus moderner Fernwärmeinfrastrukturen.
Der Praxisleitfaden "Musterwortlaut zur Aufstellung TAB-HW" kann hier bezogen werden.
Für Fragen wenden Sie sich an Dr.-Ing. Ehsan Khorsandnejad | Tel.: +49 69 6304-256 | E-Mail: e.khorsandnejad@agfw.de



