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Fachtage Fernwärme 2026: Wo steht aktuell die kommunale Wärmeplanung?

06.05.2026
Die Fachtage Fernwärme des AGFW in Kassel finden alle zwei Jahre statt und haben sich als beliebter Branchentreff im Frühjahr etabliert. Eines der Highlights 2026 war ein gut besuchtes Fachseminar zum Stand der kommunalen Wärmeplanung. Welche Erfahrungen haben Städte und Gemeinden mit der Wärmeplanung gemacht? Wo lagen die Herausforderungen, und wie kann ein guter Übergang hin zur Realisierung konkreter Projekte in der Praxis gelingen?
Von links: Moderator Christopher Martin, Prof. Dr. Markus Blesl, Dr. Elisabeth Schmitt, Matthias Funk, Gunnar Maaß.

Darüber diskutierten die Referentinnen und Referenten gemeinsam mit dem Publikum.

Am konkreten Praxisbeispiel von Wettenberg gab Prof. Dr. Markus Blesl von der Universität Stuttgart Einblicke in die Bearbeitung der Wärmeplanung für die mittelhessische Gemeinde. In der anschließenden Talkrunde berichtete unter anderem Wettenbergs Klimaanpassungsmanagerin Dr. Elisabeth Schmitt von der Mitwirkungsbereitschaft der Menschen vor Ort sowie der wichtigen Signalfunktion, die von der Gemeinde und dem Bürgermeister selbst ausgehen, um den Prozess positiv voranzubringen. Gelingt die Beteiligung im Rahmen der Projektkommunikation, fühlen sich die Bürgerinnen und Bürger gut mitgenommen und integrieren die Ergebnisse der kWP in ihre eigenen Überlegungen zur energetischen Sanierung und dem Heizungstausch. 

Matthias Funk, Technischer Vorstand der Stadtwerke Gießen, unterstrich den guten Austausch mit der Kommune und den beteiligten Fachplanern im Rahmen des kWP-Projekts in Wettenberg. Wenn von Anfang an eine intensive Abstimmung stattfindet, können die Transformationsplanungen der Unternehmen gut mit der Erarbeitung des Wärmeplans harmonisiert werden. Dies betonte auch Gunnar Maaß, stv. Leiter der Plattform Grüne Fernwärme. Eine gute Abstimmung zwischen Kommune und Energieversorgern trage dazu bei, dass der Wärmeplan nach der Erstellung nicht als Papiertiger in der Schublade verschwindet, sondern die darin vorgeschlagenen Maßnahmen zur klimaneutralen Wärmeversorgung auch tatsächlich umgesetzt werden können.

In der zweiten Talkrunde richtete sich der Blick in den Freistaat: Fabian Schatz vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie erläuterte den Stand der kommunalen Wärmeplanung in Bayern. Das Land unterstützt die Kommunen hier mit verschiedenen Angeboten, unter anderem mit einer einheitlichen Datengrundlage und verschiedenen Fördermitteln.

Über die Lage in der Region Rosenheim berichtete in der Runde Michael Hartmann. Er stellte die Rolle der INNergie und der Stadtwerke Rosenheim im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung vor. Sie bringen sich aktiv in die kWP-Projekte ein, um Know-how weiterzugeben und die Kommunen bei der Erarbeitung realistischer Optionen zu unterstützen. 

Dies sei für die Akzeptanz der Ergebnisse außerordentlich wichtig, bestätigte Harald Rapp, Leiter der Plattform Grüne Fernwärme. Aus dem theoretischen und technisch möglichen Potenzial müsse im Laufe der Wärmeplanung das wirtschaftliche und am Ende das tatsächlich umsetzbare Potenzial herausgearbeitet werden, immer eng vernetzt mit einer aktiven und transparenten Kommunikation, um die Menschen bei der Wärmeplanung mitzunehmen. Moderiert wurden die beiden Talkrunden von Christopher Martin, Geschäftsführer der FuP Kommunikations-Management GmbH, der in verschiedenen kWP-Projekten bundesweit für die Projektkommunikation und Akteursbeteiligung zuständig ist. 

Spannend ging es auch im zweiten Teil des Seminars weiter. Dr. Sylvie Drahorad von der GEF Ingenieur AG schilderte am Beispiel der Stadt Neumünster, wie dort unter anderem mit einem breiten Veranstaltungsangebot die Bürgerinnen und Bürger sowie weitere Akteure bei der Wärmeplanung aktiv eingebunden worden. Online zugeschaltet sprach im Anschluss Thomas Ertl, Klimaschutzmanager der Stadt Kolbermoor, über die Erfahrungen seiner Kommune mit der Wärmeplanung. Wie die kommunale Wärmeplanung künftig noch intelligenter werden kann, dieser Frage widmeten sich die Expertinnen und Experten zum Abschluss des Seminars. Harald Rapp stellte in seinem Vortrag das Projekt „ikWP“ vor. Das Forschungsprojekt intelligente Kommunale Wärmeplanung (iKWP) ist eine Weiterentwicklung der klassischen kommunalen Wärmeplanung, das neue Perspektiven in der Prozesskette der Fernwärme eröffnen soll.  Im Fokus steht die Frage: Wie wirken sich Klimaveränderungen auf den zukünftigen Wärmebedarf aus – und wie können sich die Versorger darauf vorbereiten? In dem Projekt werden in mehreren Regionen Daten des Deutschen Wetterdienstes für verschiedene Testreferenzjahre verglichen, beispielsweise von 2015 und 2045, um zu verstehen, wie mildere Winter und geänderte Außentemperaturen die Heizlast und den Wärmebedarf beeinflussen. Gemeinsam mit dem Projekt iHAST (intelligente Hausanschlussstationen) werden zudem die Speicherfähigkeit von Gebäuden und die Möglichkeiten eines präziseren Abgleichs zwischen tatsächlichem Verbrauch und Netzanforderungen geprüft. Über den Einfluss von Speichern berichtete im Seminar Vera Alieva von der Technischen Universität Dresden. Prof. Dr. Markus Blesl berichtete den Teilnehmenden zum Abschluss über die Relevanz des ikWP-Ansatzes für kWP-Projekte. 

Die aktive Mitwirkung des Publikums und die engagierten Redebeiträge der Referentinnen und Referenten zeigten: Das Interesse an der kommunalen Wärmeplanung ist groß, und vor allem die Umsetzung der im kWP erarbeiteten Maßnahmen spielt eine wichtige Rolle. Hier wird sich der AGFW auch künftig im Rahmen seiner Plattform Grüne Fernwärme engagieren, um die Wärmewende aktiv voranzutreiben.

Von links: Christopher Martin, Harald Rapp, Michael Hartmann, Fabian Schatz, Gunnar Maaß.
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